Bauhaus-Universität Weimar

Die innere Architektur der Knochen. 
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baues. Demgemäss durfte Wolff verkünden: „Die Natur 
hat, so zu sagen, ein mathematisches Problem 
gelöst und eine wunderbare Bestätigung der Zug- und 
Drucklinien gegeben.“ So ist der Mechanismus die 
Fackel zur Erleuchtung des Organismus. Dies 
ist der Standpunkt der TFb/^f’schen Entdeckung, dies, wie 
oben bemerkt, die eine Seite der Organprojection, ge- 
wissermaassen die Probe auf sich selbst. 
Wie aber könnte diese überhaupt denkbar sein ohne 
die Voraussetzung der anderen Seite? Diese andere Seite, 
die eigentliche Aufgabe der vorliegenden Betrachtung, war 
bisher unbeachtet geblieben und sucht ihre Lösung im fer¬ 
neren thatsächlichen Nachweis der wesentlichen Ueberein- 
stimmung des sich projicirenden Organes und des projicir- 
ten technischen Nachbildes. 
Weit davon entfernt, das Aufspüren und die Verdeut¬ 
lichung organischer Zustände mit Hülfe von vorgängig an 
Maschinen und Apparaten gemachten Erfahrungen bemän¬ 
geln zu dürfen, hat man vielmehr der ganzen Strenge des 
inductiven Verfahrens gerecht zu werden. Werkzeuge, 
Apparate und Maschinen sind da, ihre Entstehungsweise 
ist Gegenstand des späteren Verständnisses. Keiner ihrer 
Theile entzieht sich der unmittelbar auf sie gerichteten 
Untersuchung, und die auf Grund mathematischer Berech¬ 
nung in Wirkung gesetzten Kräfte springen in die Augen 
und sind mit Händen zu greifen. Physiologische 
Vorgänge hingegen sind nicht unmittelbarzu 
verstehen, sondern müssen mit Hülfe mecha- 
nischer Vorrichtungen experimentell begriffen 
werden. Diesem Zweck am nächsten liegen solche Mecha¬ 
nismen, deren Beschaffenheit eine augenfällige Verwandt¬ 
schaft mit organischen Einrichtungen erkennen lassen.
        

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