Bauhaus-Universität Weimar

Standes als solche bemerkt wird, muß derselbe eine gewisse 
Minimalgeschwindigkeit haben. Wenn die Geschwindigkeit 
andererseits eine gewisse obere Grenze erreicht hat, hören 
wir auf, die Richtung und überhaupt die Tatsache der Be¬ 
wegung wahrzunehmen. Wir bemerken dann aber noch, daß 
im Gesichtsfeld eine Änderung vorgegangeu ist. Bei noch 
größeren Geschwindigkeiten nehmen wir auch dies nicht 
mehr wahr.1) 
Wenn sich nun ein Gegenstand sehr langsam aber mit 
einer Geschwindigkeit bewegt, welche die oben erwähnte 
(nach Aubert2) pro Sekunde 1—2 Winkelminuten betragende 
Minimalgeschwindigkeit übersteigt, so können wir denselben 
mit den Augen verfolgen, indem wir ihn fixieren. Das Bild 
des Gegenstandes fällt dann immer auf dieselbe Netzhautstelle. 
In gewissen Fällen jedoch folgt das Auge bewegten 
Gegenständen nicht, so z. B. wenn wir in der Nähe des be¬ 
wegten Uhrpendels einen festen Punkt fixieren. Wenn sich 
nun ein Gegenstand im Gesichtsfeld des ruhenden Auges 
bewegt, so geht unmittelbar hinter ihm der sogenannte 
Nachbildstreifen her. Dieser Nachbildstreifen ist keine physi¬ 
kalische, sondern eine physiologisch bedingte psychologische 
Erscheinung, welche mit dem oben (§ 8) erwähnten Ab- und 
Anklingen der Empfindung zusammenhängt. Bewegt sich ein 
helles Objekt auf dunklem Grund, so wird jeder Punkt der 
Bahn des Objekts und daher jeder Punkt der Netzhautlinie, 
welche dieser Bahn entspricht, sukzessive durch das Objekt 
erleuchtet. Hat das Objekt einen Punkt p der Bahn ver¬ 
lassen, so klingt die ihm entsprechende Empfindung nicht 
momentan, sondern (nachdem sie kurze Zeit in gleicher fetärke 
1) Vgl. Stern, Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der 
Sinnesorgane, Bd. 7, S. 322f., 1894. 
2) Aubert, Pflügers Archiv für die gesamte Physiologie, Bd. 39, 
S. 353, 1886. 
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