Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/839/
ZUR DIOPTRIK DES AUGES. 
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Wir können also die Accomniodationsbreite zweier verschieden fernsichtiger 
Augen nicht unmittelbar nach dem Abstand ihres Fernpunkts vom Nahpunkte 
mit einander vergleichen, sondern wir müssen sie durch eine Vorgesetzte Linse 
erst auf gleichen Refractionszustand gebracht denken, um sie vergleichen zu 
können. 
Soll eine solche Linse die Objecte nicht vergrössern oder verkleinern, so 
muss ihr zweiter Knotenpunkt mit dem ersten des Auges zusammenfallen (was 
sich praktisch, wenn es der Mühe werth erscheinen sollte, bei dicken convex- 
concavcn Linsen erreichen lassen würde; vergleiche Seite 61 und 62). Nennen 
wir die Entfernung des Fernpunktes eines gegebenen Auges vom ersten Knoten¬ 
punkte F, die des Nahepunktes N, und A die Entfernung des nächsten Punktes, 
für den das mit einer Linse von der negativen Brennweite F versehene Auge 
sich noch accommodiren kann, so ist 
J_ _ / __ 1 
T ~n ~ T 
1 
und die Grösse — wird von Donders als Maass der Accomniodationsbreite benutzt. 
J. 
Die Einheit dieses Accommodationsmaasses ist also Eins dividirt durch das 
Längenmaass, wozu bisher, den Brillennummern entsprechend, entweder Pariser 
oder Preussische Zolle gewählt sind. Man könnte sich vielleicht erlauben, eine 
solche Einheit ein Zolltel zu nennen, wenn Verwechselungen verschiedener 
Längenmaasse zu fürchten wären. 
So haben also gleiche Accomniodationsbreite von ein Sechstel I. ein emme¬ 
tropisches Auge, dessen Sehweite von 6 Zoll bis Unendlich geht, 2. ein myo¬ 
pisches, dessen Sehweite von 3 bis 6 Zoll geht, 3. ein hypermetropisches, 
dessen Sehweite von -1-12 bis ■— 12 Zoll geht, da 
= = JL_L IUI. 
6 oo 5 6 12 \ 12J 6 
1 
Die Grösse der Accommodation — nimmt mit zunehmendem Lebensalter con- 
A 
tinuirlich ab, und zwar bei ganz oder nahehin emmetropischen Augen annähernd 
proportional den Jahren, so dass sie im zehnten Jahre im Mittel 3/s Zolltel be¬ 
trägt, im 6ö. Jahre Null wird. Verlust der Accommodationsfäliigkeit findet also 
im höheren Lebensalter regelmässig Statt, und auf diesen Zustand hat Donders 
den Namen der Presbyopie beschränkt. Dabei ist aber noch zu bemerken, 
dass im höheren Alter, etwa vom 50. Jahre ab, auch der Fernpunkt des Auges 
etwas hinausrückt, früher ennnetropische Augen also hypermetropisch, schwach 
myopische emmetropisch werden. 
Die allmälige Verminderung der Accomniodationsbreite hangt wahrscheinlich 
davon ab, dass die Festigkeit der äusseren Schichten der Krystallinse wächst 
und die Linse deshalb weniger nachgiebig wird. Vermehrung des Brechungs- 
coefficienten ihrer äusseren Schichten muss nach Seite 75 auch eine Vermin¬ 
derung der Brechung in der Linse zur Folge haben und also den hintern 
Brennpunkt des Auges nach hinten rücken lassen.
        

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