Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/739/
VERSCHMELZUNG DER DOPPELBILDER. 
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§■ 31. 
hielt, und in der zweiten Reihe kommt wieder 5,0 und 5,85 unter den Einzel- 
beobachtungen vor. ln anderen Reihen, wo die Linien vertical gezogen waren, 
kommt 5,55 und 4,75 vor als gleich mit 5,2, und dann wieder 5,55 und 4,85 
als gleich mit 5,2. 
Es würde nun allerdings ganz unmöglich sein, wenn man die beiden 
Linienpaare in demselben Sehfelde neben einander liegend und an einander an- 
stossend erblickte, so grosse Fehler zu machen. Die Schwierigkeit bei der 
binocularcn Vergleichung scheint mir hauptsächlich ihren Grund darin zu finden, 
dass die Fixation schwer ganz fest gehalten wird, und die beiden Sehfelder 
deshalb fortdauernde kleine Schwankungen in Bezug auf die Art, wie sie sich 
decken, zu machen pflegen. Um dies zu prüfen, habe ich auf ein Papierblatt 
zwei parallele Linien in 5,5 Millimeter Abstand gezeichnet, die bis zum Rande 
reichen, auf einem zweiten zwei schwach convergirende, die am einen Ende 
4,5, am andern 6,5 Millimeter von einander entfernt sind, und nun das erste 
Blatt auf das zweite gelegt, so dass das convergirende Linienpaar zum Theil 
sichtbar bleibt und als Fortsetzung des parallelen Paars erscheint. Während 
ich nun das obere Blatt fortdauernd ein wenig hin und herbewegte und da¬ 
durch die Schwankungen der Sehfelder nachmachte, suchte ich mit einem Auge 
zu ermitteln, ob die convergirenden Linien, wo sie am Rande des Papierblatts 
hervorkommen, gleich weit von einander abstanden, wie die parallelen. Hierbei 
wurden also beide Linienpaare in demselben Gesichtsfelde gesehen und durch 
die Bewegungen des einen Paars das Schwanken der Augenaxen bei der bino- 
cularen Betrachtung nachgemacht. Andererseits konnte ich das convergente 
Linienpaar mit einem weissen Papierblatt theilweise verdecken und es dann, 
soweit es sichtbar war, wie bei den Versuchen von Volkmann binocular zur 
Berührung mit dem Paar paralleler Linien bringen, so dass im gemeinschaft¬ 
lichen Gesichtsfelde beide Paare an einander stiessen und das eine als Fort¬ 
setzung des andern erschien. Diese Methode ist noch etwas vortheilhafter, als 
Volkmann s , bei dem je eine Linie jedes Paars ganz ausgezogen war und sich 
mit der correspondirenden deckte, während bei meinen Versuchen, wie bei dem 
auf Seite 711 beschriebenen und nach dem Schema der Fig. 203 angestellten 
Versuche, gar keine Deckung, sondern nur scheinbare Fortsetzung je zweier 
Linien vorkam. Abweichungen in den Abständen beider Linienpaare von 
Y Millimeter wurden immer gleich erkannt, solche von y4 Millimeter kaum 
übersehen. Dabei stellte sich heraus, dass ich die binoculare Vergleichung der 
correspondirenden Abstände ziemlich eben so gut vollzog, als die monoculare 
derselben Abstände in dem gleichen Sehfelde, wenn ich im letzteren Falle durch 
fortdauerndes Hin- und Herbewegen der einen Zeichnung das Schwanken der bei¬ 
den Sehfelder gegen einander nachahmte. . 
Auffallend gross sind auch die einzelnen Fehler in den Versuchen, wo 
Volkmann die Richtung einer Linie in einem Sehfelde mit der einer anderen 
im anderen Sehfelde verglich. Es kommen hierbei Abweichungen vom Mittel 
im Betrage eines halben Grades sehr häufig, solche bis zu einem Grade zuwei¬ 
len vor. Zwei Linien aber, die im monocularen Sehfelde unter einem Winkel 
von 179 Grad zusammenstossen, für eine gerade Lime zu halten, ist ganz un-
        

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