Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/707/
§• 31. 
DIE BINOCULAREN DOPPELBILDER. 
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4861. E. v. Babo. Dcber die stereoskopische Darstellung mikroskopischer Gegenstände. 
Ber. d. Freiburger Ges. II, 312 — 314. 
— T. du Moncel. Rapport sur les appareils stéréoscopiques de Mr. Ph. Benoist. Bull. . 
de la Soc. d’encour. 1861, 1, 198—201. 
1862. J. Towne. The stereoscope and stereoscopic results. Guy’s Hospital Reports. 1862 
und 1863, p. 103; Xi, 144 —180. 
— E. Hering. Beiträge zur Physiologie. Leipzig 1861 —64. 2. bis 5. Heft. 
1864. Knapp. Exposé des avantages de T ophthalmoscope binoculaire. Ann. d’oculistique. 1864. 
§.31. Das binoculare Doppeltsehen. 
Wir haben bisher die Erscheinungen des zweiäugigen Sehens betrachtet, 
insofern sie sinnliche Zeichen für eine bestimmte Lage der gesehenen Raumob¬ 
jecte sind. Es bleibt noch übrig die subjectiven Erscheinungen, die sich hierbei 
zeigen, zu untersuchen. 
Ich habe oben auseinandergesetzt, wie im monocularen Sehen neben der 
Anschauung der wirklichen Vertheilung der Objecte nach den drei Dimensionen 
des Raumes sich, wenn man auf die Art, wie sie gesehen werden, achtet, die 
Anschauung ihrer Vertheilung in dem flächenhaften Gesichtsfelde ausbildet. Wenn 
nun mit zwei Augen gesehen wird, so erscheinen die Gegenstände in dem Seh¬ 
felde jedes Auges, aber da die Rüder in beiden Sehfeldern, wie wir schon gesehen 
haben, im Allgemeinen nicht gleich sind, so können sie sich im gemeinschaftlichen 
Gesichtsfelde auch nicht absolut decken, sondern es bleiben gewisse Ungleich¬ 
heiten beider Sehfelder bestehen und werden wahrgenommen. In diesem Kapitel 
sollen die Erscheinungen betrachtet werden, welche von der Ungleichheit der 
räumlichen Verhältnisse der Rilder beider Sehfelder herrühren, im nächsten die, 
welche won der ungleichen Releuclitung oder Färbung der Sehfelder oder ihrer 
Theile verursacht werden. 
Es ist wohl zu beachten, dass diese Betrachtungsweise des Gesichtsfeldes 
als solchen, nicht die natürliche und zuerst erworbene Art des Wahrnehmens 
ist, sondern vielmehr stets erst durch bewusste Reflexion auf die Beschaffenheit 
unserer Gesichtseindrücke veranlasst wird. Wir betrachten dann nicht mehr 
die Welt der Objecte an sich, wie sie ist, sondern wir beobachten, wie sie 
uns von unserem dermaligen Standpunkte aus erscheint. Es ist dann wesent¬ 
lich die Erscheinung, die uns interessirt, entweder weil wir sie als Zeichner 
nachbilden, oder als Physiologen theoretisch untersuchen wollen. 
So wie wir nun im zweiäugigen Sehen anfangen das Gesichtsfeld als solches 
zu untersuchen, bemerken wir, dass die Ordnung der Objecte in den beiden 
Sehfeldern nicht übereinstimmt. Indem wir zum Beispiel durch das Fenster 
nach den Bäumen draussen sehen, sind wir im Stande das Laubwerk mit dem 
linken Auge noch etwas weiter nach rechts hin zu verfolgen, als mit dem 
rechten. Wir sehen mit jenem Auge am rechten Rande des Fensters noch 
Theile des Laubwerks, die wir mit dem rechten nicht sehen können, welche 
für das rechte durch den Rahmen des Fensters verdeckt sind. Wir sehen also 
den Rahmen des Fensters in den beiden Gesichtsfeldern an zwei verschiedene 
Theile der Laubmasse angrenzen. 
Ebenso verdeckt das Fensterkreuz dem rechten Auge einen andern Theil 
der Laubwand, als dem linken. Indem wir also der Laubwand mit dem Blicke
        

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