Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/692/
6S0 DRITTER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTS WAHRNEHMUNGEN. §. 30. 
linsen, nicht Prismen *, enthalten, daraufhin. Beide Röhren enthalten zunächst dem Auge 
eine Linse von 12 Centimeter Brennweite und gegen ihr unteres Ende hin eine solche von 
4 8 Centimeter Brennweite. 
Die letztere kann ausge- 
schraubt werden, wenn 
man nur die gewöhnliche 
Vergrösserung der Stereo¬ 
skope zu haben wünscht, 
bei welcher aber die Bil¬ 
der (Landschaften) meist 
kleiner erscheinen als das 
wirkliche Object dem un¬ 
bewaffneten Auge von dem 
betreffenden Standpunkte 
aus erscheinen würde. 
Jede der Röhren B0 und ü, 
sitzt in einem zwischen 
Schienen verschiebbaren 
rechtwinkeligen Schlitten, 
so dass ß0 in der Rich¬ 
tung von oben nach unten 
( beziehlich zum Beobach¬ 
ter), Bt dagegen von 
rechts nach links verstellt 
werden kann durch Dre¬ 
hung der Schrauben C0 
und Cj. In Fig. 197 ist 
dargestellt, wie dieSchrau- 
ben auf die Schlitten wir¬ 
ken, unmittelbar, C0 mit¬ 
tels eines Winkelhebels. 
Ich pflege die Röhren 
erst so weit herauszu¬ 
ziehen , bis das photo¬ 
graphische Bild im Brenn¬ 
punkte der Concavlinsen steht, was sich leicht erkennen lässt, wenn man von unten 
auf die matte Glasplatte blickt und das Bild entfernter heller Objecte auf der Fläche der stereo¬ 
skopischen Darstellung auffängt. Ist der Beschauer kurzsichtig, so lasse ich ihn lieber durch 
die ihm gewöhnte Brille hineinsehen. Dadurch dass man das Bild in den Brennpunkt der 
Linsen bringt, hat man den Vortheil, dass es erstens auch bei Bewegungen des Kopfes vor 
den Gläsern wie ein unendlich entferntes Object erscheint; zweitens dass die Deckung der 
Bilder auch nicht gestört wird, wenn der Beobachter den Kopf nach der Seite neigt. Na¬ 
mentlich also, wenn man das Stereoskop fest aufstellt und den Beschauer davor treten 
lässt, um hindurchzusehen, so erhält er, was die Formen betrifft, in allen Beziehungen den¬ 
selben optischen Eindruck, als blickte er nach den entfernten reellen Objecten. Die, Schrauben 
C0 und fj werden dann gebraucht, um den Stand der beiden optischen Bilder zu corrigiren. 
Indem ich meine Augen etwas convergiren lasse, erzeuge ich Doppelbilder von irgend einem 
hell hervortretenden Objecte, und sehe zu, ob diese gleich hoch neben einander stehen; 
wenn nicht, so corrigire ich mit der Schraube C0 so lange, bis dies der Fall ist. Die Ein¬ 
stellung in den Brennpunkt kann man dann noch genauer controlliren, wenn man seitliche 
Fig. 198. 
1 Auch Herr Claudet hat bemerkt (fYuc. lioyal Soc. VIII, 104—110), dass es richtiger ist und natürlichere 
Hilder rieht, wenn man Landschaftsbilder durch Linsen mit parallelen Gesichtslinien combinirt.
        

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