Volltext: Handbuch der physiologischen Optik

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DRITTER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSWAHRNEHMUNGEN. 
§• 30- 
Fig. 191. 
Phänomen, wenn sich der Beobachter etwa drei Fuss von'der Wand aufstellt, 
und die lampe in die Mitte dieser Entfernung. Dann fallen die beiden aussprin¬ 
genden Falten für beide Augen an denselben Ort zusammen und die Wirkung 
verstärkt sich somit, Die Erscheinung erklärt sich durch die Brechung des 
Lichts in dem warmen Luftstrom. Sei dessen Querschnitt durch den Kreis A 
in Fig. 19t angedeutet, r und p seien die beiden Augen des Beobachters, a, b, c 
Punkte der Wand, so erscheinen diese dem 
Auge r in Richtung der drei geradlinigen Rich¬ 
tungsstrahlen ra, rb und rc. In das Auge p 
gelangen die Strahlen aber auf den Wegen 
aaxQ, b<j und cc'p, wegen der Brechung in dem 
warmen Luftstrome A. Nur der durch dessen 
Mitte gehende Strahl öp kann geradlinig bleiben. 
Dem Auge p erscheinen die Punkte c und a also 
in Richtung der Verlängerung der Strahlen pc' 
und pa', beiden Augen zusammen also in y und «, 
wo sich beziehlich pc' mit rc und pa' mit ra 
schneidet. So erscheint also die Tapete hervor¬ 
getrieben auf der Seite des Auges, welches 
durch den warmen Luftstrom sieht, auf der an¬ 
dern Seite zurücktretend. 
Ich habe noch einige Versuche angestellt 
über den Grad von Genauigkeit, der in der 
stereoskopischen Vergleichung der beiden Netzhautbilder erreicht werden 
kann. Zu dem Ende habe ich drei gleiche Nadeln senkrecht befestigt an 
dem Ende dreier vierkantiger kleiner Holzbalken, diese neben einander auf 
einen ebenen Tisch gelegt, so dass sich die drei Nadeln neben einander in 
Abständen von je 12 Millimetern und nahehin in derselben Ebene befanden. Ich 
stellte mich dann so auf, dass meine Augen sich in oder etwas unter der ver¬ 
längerten oberen Ebene der drei Bälkchen befanden, und ich also die drei Nadeln 
sah, ohne die Begrenzungslinie desjenigen Endes der Holzbalken sehen zu können, 
an welchem die Nadeln befestigt waren. Die Entfernung meiner Augen von den 
Nadeln betrug 340 Millimeter. Unter diesen Umständen konnte ich nur mittels 
der Vergleichung der beiden Netzhautbilder erkennen, ob die Nadeln genau in 
einer verticalen Ebene sich befanden oder nicht. Waren sie es nicht, so 
konnten sie durch Verschiebung eines der Hölzer, in denen sie befestigt waren, 
in eine Ebene gebracht werden, so gut es der Beobachter eben erkennen konnte, 
und wenn man nachher das eine Auge in Richtung dieser Ebene brachte und 
nach den Nadeln hinblickte, konnte man leicht erkennen, in wie weit die Ein¬ 
stellung der Nadeln gelungen war. Es ist dabei zu bemerken, dass man die 
Abstände der Nadeln von einander nicht zu gross machen darf, weil sich dann 
eine eigenthümliche Täuschung des Urtheils einmischt, die im folgenden Abschnitt 
bei der Lehre vom Horopter besprochen werden soll. Für den Zweck sind 
die oben angegebenen Distanzen passend und machen jene Täuschung ohne 
Einfluss. Ich habe mich unter diesen Umständen nie, auch nur um eine halbe
	        
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