Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/579/
§. 28. 
TÄUSCHUNGEN DES AUGENMASSES. 
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hiuhält, und während mau diese ganz scharf und sicher fixirt, das bedeckende 
Papier zwischen ihr und der Zeichnung fortzieht. Ob man gut lixirt hat, kann 
man nach der Schärfe des dabei ausgebildeten Nachbildes beurtheilen. 
Die sicherste und leichteste Methode, den Einfluss der Augenbewegungen zu 
beseitigen, ist die Beleuchtung mittels des elektrischen Funkens, weil während der 
ausserordentlich kurzen Dauer eines solchen Funkens das Auge keine merkliche Be ¬ 
wegung ausführen kann. Dazu benutze ich einen hölzernen innen schwarz ange¬ 
strichenen Kasten AB CD, Big. 180. Bei f in der vorderen und bei g in der 
hinteren Wand waren in der Entfernung der Augen von einander je zwei Löcher 1 
eingebohrt worden. Durch die Löcher 
f blickte der Beobachter hinein, vor 
die Löcher g wurden innen die Zeich¬ 
nungen befestigt, welche selbst mit 
einem Nadelstich durchbohrt waren, der 
auch ohne die elektrische Entladung in 
dem übrigens ganz dunklen Kasten ge¬ 
sehen und fixirt werden konnte. An seiner 
untern Seite, die auf der Tischplatte 
BD ruht, ist der Kasten offen; wenn 
man die Zeichnung wechseln will, kehrt 
man ihn um und greift hinein. Das 
Zimmer wurde massig dunkel gemacht, 
so dass der Beobachter die elektrischen 
Apparate noch sehen und handhaben 
konnte, dass aber doch im Innern des 
Kastens nichts ausser jenen Nadelstichen sichtbar war. Die Drähte, welche 
zur Zuleitung der Elektricität dienen, sind hi, bei k ist die Unterbrechungs¬ 
stelle; l ist ein Kartenstreifen, der auf der dem Funken zugekehrten Seite 
weiss ist und das Licht desselben vom Auge des Beobachters abhält, dagegen 
nach der Zeichnung hinwirft, Die Funken wurden durch die secundäre Spirale 
eines grossen Inductionsapparates von Ruhmkorff, die mit den Belegen einer 
Leydener Flasche verbunden war, gegeben. Den Schluss der primären Spirale 
und deren Unterbrechung brachte der Beobachter mit der Hand hervor 3. 
Es fand sich, dass bei elektrischer Beleuchtung die Täuschung bei der 
Big. 176 unverändert blieb, dagegen bei den Zeichnungen der Big. 178 ganz 
schwand, bei 179 nicht immer ganz fehlte, aber, falls sie eintrat, viel schwächer 
und zweifelhafter war, als sonst, während doch andererseits die Beleuchtung 
durch den elektrischen Funken vollkommen genügend war, um die Formen der 
gerade gesehenen Gegenstände deutlich zu erkennen. 
Es sind also zwei verschiedene Erscheinungen zu erklären, nämlich erstens 
der geringere Grad der Täuschung, der bei Vermeidung der Augenbewegungen 
1 Je zwei Löcher, weil der Apparat namentlich auch für stereoskopische Versuche gebraucht werden sollte 
2 Beim Mangel hinreichend starker elektrischer Apparate kann das von Volkjiann construirte Tachistoskop 
dienen (Leipziger Sitzungsber. 1850, p. 90 — 98), auf welchem ein fallender Schieber für einen Moment die eine 
oder zwei Oeffnungcn öffnet, durch die der Beobachter blickt. 
Fig. 180.
        

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