Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/569/
§, -iS. 
AUGENMAASS IM INDIRECTEN SEHEN. 
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sichtlichkeit wegen haben darstellen müssen. Im Wesentlichen wird dadurch 
nichts geändert. 
Wir haben im Anfänge dieses Paragraphen auseinandergesetzt, wie unter 
Hilfe der Bewegungen des Auges zunächst ermittelt werden kann, in welcher 
Reihenfolge die Objecte und die durch besondere Local ze kl ten charakterisirten 
ihnen entsprechenden Netzhautpunkte in der Fläche jene des Gesichtsfeldes, diese 
der Netzhaut geordnet sind. Es blieb nur noch übrig, die Entstehung der be¬ 
stimmten Grössenverhältnisse zu erörtern. 
Wir haben dann gesehen, wie die Kenntniss gewisser Linien im Blickfelde, 
die in allen ihren Theilen übereinstimmende Richtung haben, und als in sich 
selbst verschiebbar wahrzunehmen sind, der Richtlinien, durch das ausge¬ 
bildete Bewegungsgesetz der Augen gewonnen werden kann. 
Wenn wir nun irgend ein Object im indirecten Sehen wahrnehmen, von 
ihm also einen begrenzten Eindruck auf einen seitlichen Theil der Netzhaut 
erhalten haben, und dann den Blick jenem Objecte zuwenden, so erhalten wir 
hinterher einen Eindruck desselben Objects mit seiner gleichen scheinbaren 
Grösse auch auf dem Centrum der Netzhaut, und können also aus Erfahrung 
allroälig lernen, welchem centralen Eindrücke ein gewisser peripherischer in 
Qualität und Grösse gleich gilt. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, auch 
mittels des indirecten Sehens, soweit dessen Genauigkeit ausreicht, Objecte 
ihrer Form und scheinbaren Grösse nach beurtheilen zu lernen. 
Neben der Grösse und Form wird aber auch eine Vergleichung der Richtung 
des erst indirect und dann direct gesehenen Objectes mit dem zuerst direct 
gesehenen eintreten, es wird wahrgenommen werden, welche Linien beider 
Objecte sich auf denselben Meridianen der Netzhaut ahbilden. Diese Vergleichung 
der Lage wird allerdings etwas verschieden ausfallen müssen, je nachdem wir 
von der Primärstellung oder von einer Secundärstellung des -Blicks ausgehen, 
obgleich das für normalsichtige Augen geltende LisTiNG’sche Gesetz die Summe 
dieser Verschiedenheiten so klein als möglich macht. Im Mittel aller Fälle aber 
wird die Vergleichung so ausfallen, als wäre das erste Object in der mittleren 
Stellung, das heisst in der Primärstellung fixirt worden. Ausserdem ist schon 
früher hervorgehoben worden, dass die Primärstellung als die bequemste und 
zur Orientirung vortheilhafteste am meisten vom Auge eingenommen wird, und 
dass wir Bewegungen, welche mit Drehung um die Blicklinie verbunden sind, 
zu vermeiden suchen. So werden wir also durch Erfahrung kennen lernen 
können, welche Richtungen in den Seitentheilen des Sehfeldes übereinstimmen, 
mit den durch den Fixationspunkt gezogenen Linien, und diese Uebereinstimmung 
wird sich als Regel so feststellen, wie sie stattfindet, wenn der Fixationspunkt 
auch Hauptblickpunkt ist, das heisst sämmtliche Linienelemente ein und 
derselben Richtlinie werden im Sehfelde übereinstimmende Rich¬ 
tung zu haben scheinen, und sämmtliche Richtlinien, die im Occi- 
pitalpunkt einen und denselben Meridian des Sehfeldes tangiren, 
werden übereinstimmende Richtung haben. 
Nun tritt aber diese Bestimmung der Linien von übereinstimmender Richtung 
in Widerspruch mit den Bestimmungen der scheinbaren Grösse, welche bei
        

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