Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/547/
§. 28. 
DIE FLÄCHENHAFTE ANORDNUNG IM GESICHTSFELDE. 
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wenn die Reihenfolge der Punkte in der ersten Linie dieselbe ist, wie die 
Reihenfolge der entsprechenden Punkte in der zweiten Linie. 
Indem wir den Blick über das Gesichtsfeld schweifen lassen, finden wir 
unmittelbar in der Wahrnehmung, in welcher Ordnung die Objectpunkte im Ge¬ 
sichtsfelde aufeinander folgen, so dass zunächst wenigstens die Ordnung der 
Punkte im Gesichtsfelde durch solches Herumblicken unmittelbar bestimmt 
werden kann. 
Wie und in wie weit die Grössenverhältnisse durch das Augenmaass be¬ 
stimmt werden können, wollen wir nachher untersuchen. Hier ist zunächst nur 
noch zu bemerken, dass wenigstens das Auge des Erwachsenen die Ordnung 
der Punkte im Gesichtsfelde nicht nur an Objecten bestimmt, über welche der 
Blick schweifen kann, sondern dass wir ein bestimmt flächenhaft geordnetes 
Bild auch von solchen Objecten und Erregungen haben, die in Bezug auf unsere 
Netzhaut ihren Ort nicht wechseln und sich mit unserem Auge bewegen. Dies 
gilt für die Nachbilder, die Netzhautgefässe, die Polarisationsbüschel und über¬ 
haupt für die meisten subjectiven Erscheinungen. Wie wir auch das Auge 
bewegen mögen, immer wird derselbe Punkt eines solchen subjectiven Bildes 
dem Fixationspunkte entsprechen, und wir können nie verschiedene Theile des 
Bildes nach einander auf der Mitte unserer Netzhaut wechseln lassen. Daraus 
folgt, dass wir im Stande sind, die Ordnung der gesehenen Punkte im Gesichts¬ 
felde auch zu beurtheilen nach dem blossen Eindruck, den das ruhende Netz¬ 
hautbild auf die ruhende Netzhaut macht, ohne dass wir nöthig haben, jedes 
einzelne Mal durch Bewegungen zu controlliren, welches die Reihenfolge der 
einzelnen Objectpunkte sei. 
Um diese Thatsache zu erklären, kann die Annahme gemacht werden und 
ist von den Anhängern der nativistischen Theorie gemacht worden, dass 
wir eine angeborene Kcnntniss der Ordnung der Netzhautpunkte auf unserer 
Netzhaut (und auch wohl der Grösse ihrer Abstände) besitzen, welche uns un¬ 
mittelbar in den Stand setzt, wahrzunehmen, welche Punkte des Netzhautbildes 
continuirlich aneinanderstossen, welche nicht. Wenn eine solche Annahme ge¬ 
macht wird, so ist damit natürlich jede weitere Erörterung über den Ursprung 
unserer flächenhaften Gesichtsbilder abgeschnitten, 
Andererseits ist ersichtlich, dass die Fähigkeit, auch ohne Bewegung des 
Auges die Ordnung der Objecte im Gesichtsfelde zu erkennen und zu beurtheilen, 
auch erworben sein kann, wie dies die empiristische Theorie der Gesichts¬ 
wahrnehmungen annimmt. Denn jedes Mal, wo wir durch Bewegungen des 
Auges die Ordnung der Theile eines ruhenden Objects bestimmt haben, erhalten 
wir auch, so lange wir einen seiner Punkte ruhig fixiren, einen ruhenden Ein¬ 
druck seiner verschiedenen Theile auf unsere Netzhaut, und können somit 
durch Erfahrung kennen lernen, wie zwei Punkte, die wir durch Bewegung des 
Auges als benachbart erkannt haben, sich im ruhenden Bilde des Auges dar¬ 
stellen, das heisst also, anatomisch gesprochen, wir können durch Erfahrung 
kennen lernen, welche Localzeichen der Gesichtsempfindungen benachbarten 
Netzhautfasern angehören, und wrenn wir dies gelernt haben, werden 
wir im Stande sein, auch aus dem unveränderten Eindruck eines relativ'
        

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