Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/543/
§. 28. 
531 
DIE FLÄCHENHAFTE ANORDNUNG IM GESICHTSFELDE. 
Wir beginnen unsere Untersuchung damit, dass wir feststellen, was beim 
Gebrauche nur eines Auges und beim Ausschluss aller Bewegungen des Kopfes 
erkannt werden könne. Die Bewegungen des betreffenden Auges im Kopfe da¬ 
gegen werden in dem vorliegenden Abschnitte im Allgemeinen nicht ausge¬ 
schlossen. 
Zunächst ist klar, dass wenn gegeben ist Ort und Stellung eines Auges, 
und der Ort des Netzhautbildes eines leuchtenden Punktes, für den das Auge 
accommodirt ist, so können wir von seinem Netzhautbilde eine gerade Linie 
durch den Knotenpunkt des Auges ziehen, und wissen zunächst, dass der 
leuchtende Punkt vor dem Auge in dieser Linie liegen müsse. In welchem 
Punkte dieser Linie er aber liege, bleibt nothwendig unbekannt, wenn wir 
keine anderen Hilfsmittel zur Entscheidung darüber haben. Zwar könnte man 
an die Accommodation des Auges denken. Wäre das Auge möglichst gut für den 
Punkt accommodirt, so würde möglicher Weise der Grad der Accommodations- 
anstrengung, oder die Grösse des vorhandenen Zerstreuungskreises Aufschluss 
über die Entfernung geben können. Wir werden im Paragraphen 30 unter¬ 
suchen, welche Hilfsmittel beim monocularen Sehen für die Beurtheilung der 
Entfernung noch vorhanden sind, und dabei sehen, dass die Accommodation in 
der That ein ausserordentlich unvollkommenes Hilfsmittel für die Beurtheilung 
der Entfernung ist. Wenn wir also von den kleinen Unterschieden in der 
Schärfe des Bildes absehen, welche durch wechselnde Accommodation hervor¬ 
gebracht werden können, so ist kein anderes Moment in der Empfindung vor¬ 
handen, welches darüber Aufschluss gäbe, in welcher Entfernung der leuchtende 
Punkt liegt. 
Oben wurde vorausgesetzt, das Auge sei genau accommodirt für den leuch¬ 
tenden Punkt. Dann können wir, um seine Richtung zu finden, von seinem 
Netzhautbilde, wie oben vorgeschrieben ist, die gerade Richtungslinie durch die 
Knotenpunkte ziehen, oder aber auch jedem anderen Strahle folgen, der von 
irgend einem Punkte der Pupille nach dem Netzhautbilde hinläuft. Wenn wir 
die Brechung eines solchen Strahls nach den im zehnten Paragraphen gegebenen 
Regeln richtig construiren, um seinen Weg vor dem Auge zu finden, wird 
uns jeder solcher Strahl schliesslich zu dem leuchtenden Punkte zurückführen, 
von dem er ausgegangen ist. In diesem Falle bleibt es also gleichgiltig, welchen 
von den in die Pupille gefallenen Strahlen wir wählen, um die Richtung zu 
bestimmen, in welcher der leuchtende Punkt liegt. 
Dies ist aber nicht mehr gleichgiltig, wenn wir auf der Netzhaut Bilder 
von leuchtenden Punkten haben, für welche das Auge nicht ganz genau accom¬ 
modirt ist. In solchen Fällen dürfen wir den Mittelpunkt des Zerstreuungs¬ 
kreises als den Ort des Netzhauthildes betrachten 1. Der Strahl aber, welcher 
von dem leuchtenden Punkte nach der Mitte des eventuellen Zerstreuungskreises 
hingeht, geht, wie schon oben S. 93 bemerkt, durch den Mittelpunkt der Pupille 
und ist mit dem Namen einer Visirlinie belegt worden. Wenn sich der 
1 Es ist hier nur von leuchtenden Punkten die Rede; dass es sich an den Rändern leuchtender Flächen 
anders verhält, ist bei der Lehre von der Irradiation §.21 aiiseinandergesetzt. 
34 *
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.