Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/528/
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DRITTER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSWAHRNEHMUNGEN. 
§• 27. 
Diese Ausdrücke gebe» also die Drehungen, wenn man bei den Versuchen 
nicht von der Primärstellung, sondern von einer anderen Stellung des Auges aus- 
„eht Ist die ursprüngliche Abweichung r klein, so werden die Ausdrücke über¬ 
sichtlicher, wenn man den Ausdruck von log (e'1)) in Gleichung 11 d) in eine un¬ 
endliche Reihe verwandelt, 
r/ = rp sin (t — t) — — r2p2 sin 3 {t — i ) 4—9* s'n ^ r) etc- 
Dieser Ausdruck ist von der Form der Gleichung 9), Seite 505, und kann zur 
Berechnung der Fehler bequem gebraucht werden 1. 
Bestimmung des Drehpunkts der Augen nach Donders2. Fs wird zuerst der 
horizontale Durchmesser der Hornhaut mit dem Ophthalmometer bestimmt. Zu dem Ende 
bringt man unmittelbar über dem Ophthalmometer eine kleine Flamme an, die von der Horn¬ 
haut’gespiegelt wird, und neben dem Ophthalmometer ein horizontal verschiebbares Gesichts¬ 
zeichen, welches von dem beobachteten Auge fixirt wird. Dieses Auge wird übrigens von der 
Seite her durch eine helle Lampe stark beleuchtet, gegen deren Strahlen das Ophthalmometer 
geschützt ist. Man sucht nun das Ophthalmometer so einzustellen, dass jedes Doppelbild des 
Flammenreflexes mit einem Doppelbild je eines seitlichen Hornhautrandes zusammenfällt. 
Damit dies für beide Bilder des Lichtreflexes zugleich geschehen kann, muss die Mitte der 
Hornhaut gerade gegen das Ophthalmometer gekehrt sein. Um dies zu erreichen, muss man 
das Gesichtszeichen so lange hin und herschieben, bis der genannten Forderung Genüge 
geleistet wird. Der Winkel, um den die Platten des Ophthalmometers gedreht sind, entspricht 
dann der halben Breite der Hornhaut, und ist diese nach den auf S. 10 gegebenen Regeln 
daraus zu berechnen. Der Winkel, den die nach dem Auge gerichtete Axe des Ophthalmometers 
und die nach dem Gesichtszeichen gerichtete Blicldinie des Auges mit einander machen, ent¬ 
spricht der Abweichung der Blicklinie von der Axe der Hornhaut. 
Um nun den Bogen zu bestimmen, den die Hornhaut beschreiben muss, um die Länge 
ihres eigenen queren Durchmessers im Raume zu durchlaufen, wurde vor dem zu untersuchenden 
Auge ein Ring aufgehängt, in welchem ein feines Haar senkrecht gespannt war. Dann 
wurde ermittelt, um wieviele Grade (ausgehend von dem Stand, wobei die Hornhautaxe 
auf das Kreuz des Ophthalmometers gerichtet war) nach beiden Seiten hin visirt werden 
musste, damit bei unbeweglich gehaltenem Kopfe nach einander jeder von den Rändern der 
Hornhaut mit Dem Haare zusammenfiel. Die gefundene Anzahl von Graden stellte 
den Winkel dar, den das Auge hierbei um den Drehpunkt beschrieben hatte. Sehr bald 
stellte sich heraus, dass bei normalen Augen dieser Winkel ungefähr 56 0 betrug. Donders 
begann deshalb später jede Messung damit, ein Visir »28° nach links, ein anderes ebenso 
weit nach rechts von dem erstgenannten Visir, welches zur Einstellung des Lichtreflexes 
auf die Mitte der Hornhaut gedient hatte, aufzustellen, Der Kopf wurde so gedreht, dass 
hei dem Fixiren des einen seitlichen Visirs der eine Rand der Hornhaut mit dem Haar zu¬ 
sammenfiel, und es wurde untersucht, ob beim Fixiren des zweiten seitlichen Visirs der 
entgegengesetzte Rand der Hornliaiit dem Haar entsprach. Nur selten war dies vollkommen 
der Fall; aber es stellte sich doch heraus, ob ein grösserer oder ein kleinerer Bogen be¬ 
schrieben werden ipusste. Dem entsprechend wurden dann die beiden seitlichen Visire um 
gleich viel von dem mittleren entfernt, oder ihm genähert, bis man endlich ein genaues Zu¬ 
sammenfällen der Ränder der Hornhaut mit dem Haare erhielt. Indem man nun schnell einige 
Male abwechselnd nach dem einen und dem andern Visir sehen liess, wurde der hiniluss 
einer etwaigen früheren Bewegung des Kopfes beseitigt. 
Wenn a die halbe Breite der Hornhaut ist, welche man mit dem Ophthalmometer gefunden 
hat, und ß der Winkel, um den jedes seitliche Visir, vom beobachteten Auge gesehen, vom 
1 Eine Construciionsmethocfe, für denselben Zweck brauchbar, siehe unten in den Nachtrages 
3 Archiv für die holländischen Beiträge zur Natur- und Heilkunde. Bd. Ill, Hit. o, •
        

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