Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/49/
BRECHUNG AN KUGELIGEN FLÄCHEN. 
37 
§. 9. 
Im Auge haben wir es mit der Brechung des Lichts an kugeligen oder nahehin 
kugeligen Flächen zu thun. Die Gesetze der Brechung vereinfachen sich für eine 
jede solche Fläche ausserordentlich, wenn das Licht nur unter sehr kleinen Ein¬ 
fallswinkeln, d. h. nahe senkrecht auf sie fällt. Sie vereinfachen sich auch für 
ein System solcher Flächen, wenn die Mittelpunkte der Kugelflächen alle in einer 
geraden Linie, der Axe des Systems, liegen. Systeme von kugeligen Flächen, 
in denen diese letzte Bedingung erfüllt ist, nennt man centrirt. Licht, welches 
ursprünglich von einem Punkte ausgegangen ist, oder allgemeiner, Licht, dessen 
Strahlen hinreichend verlängert alle durch einen Punkt gehen, d. h. homo cen¬ 
trisches Licht, wird, nachdem es durch ein solches System gegangen ist, und 
alle brechenden Flächen nur unter kleinen Einfallswinkeln getroffen hat, entweder 
sich in einen Punkt wieder vereinigen, oder so fortgehen, als käme es alles von 
einem leuchtenden Punkte her, also wieder homocentrisch sein. Den Convergenz- 
punkt der Lichtstrahlen nennt man in beiden Fällen das optische Bild des 
ursprünglich leuchtenden Punktes, oder da Lichtstrahlen, welche von dem Orte 
des Bildes ausgehen würden, an der Stelle des ursprünglich leuchtenden Punktes 
wieder vereinigt werden würden, nennt man den Ort des leuchtenden Punktes 
und den seines Bildes auch conjugirte Vereinigungspunkte der Strahlen. 
Man nennt ferner das optische Bild reell, wenn die Lichtstrahlen, welche von 
dem leuchtenden Punkte ausgegangen sind, in ihm wirklich zur Vereinigung 
kommen. Dies kann nur geschehen, wenn das Bild hinter den brechenden 
Flächen liegt. Man nennt es virtuell, wenn der Vereinigungspunkt der Licht¬ 
strahlen in ihren rückwärts gezogenen Verlängerungen vor der letzten brechenden 
Fläche liegt. Im letzteren Falle schneiden sich also nicht die Lichtstrahlen selbst, 
sondern nur ihre Verlängerungen. 
Convexe Glaslinsen (Brenngläser oder Sammellinsen) geben von ent¬ 
fernten Gegenständen reelle 
Bilder, wie Fig. 20 zeigt ; 
c d ist die Linse, a der leuch¬ 
tende Punkt, die einfallenden 
Lichtstrahlen ac und ad wer¬ 
den in die Richtungen c f und 
d e gebrochen, vereinigen sich 
wirklich in dem Punkte b, dem Punkte des reellen Bildes, und gehen nach der 
Schneidung wieder divergirend auseinander, gerade als wäre b ein ursprünglich 
leuchtender Punkt. 
Concave Glaslinsen (Zerstreuungsgläser) geben virtuelle Bilder wie in Fig. 21. 
wo die Bezeichnungen dieselben sind wie in Fig. 20. Hier schneiden sich die Licht¬ 
strahlen nicht wirklich, wohl aber 
ihre Verlängerungen in b, und 
gehen hinter der Linse weiter, als 
kämen sie von b, so dass ein hinter 
der Linse zwischen f und e stehen¬ 
des Auge glauben würde, den leuch¬ 
tenden Punkt in b zu sehen. Fig. 21. 
Fig. 20.
        

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