Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/483/
§• “27. 
WIRKUNG DER AUGENMUSKELN. 
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sich der Augapfel aber nach innen dreht, nähert sich die der veränderten Seh¬ 
stellung zugehörige Drehungsaxe UO mehr der Axe der schiefen Muskeln 
so dass bei Convergenz der Augen die letzteren verhältnissmässig mehr in 
Anspruch genommen werden müssen als bei Parallelismus der Blicklinien. 
Es ist hierbei zu bemerken, dass die Augenmuskeln alle einen ziemlich 
breiten Ansatz am Augapfel haben, wobei ihre Fasern sich sogar etwas fächer¬ 
förmig ausbreiten. Dies hat zur Folge, dass selbst wenn der Augapfel sich 
ziemlich bedeutend aus seiner Primärstellung gedreht hat, doch die Drehungs- 
axen für die einzelnen Muskeln ihre Lage im Raume nicht erheblich verändern. 
Nehmen wir als Beispiel den Rectus superior und inferior, welche sich ober¬ 
halb der Hornhaut, etwa 7 Millimeter von deren Rande entfernt inseriren (Taf. I, 
Fig. 1 bei m und n), so spannen sich, wenn das Auge nach innen gedreht ist, 
bei der Verkürzung des Muskels vorwiegend die Fasern der Sehne, welche 
nach dem äusseren Rande der Hornhaut hin gerichtet sind, weil diese am 
meisten verlängert sind. Man kann sieh davon an Präparaten des Augapfels 
mit seinen Muskeln leicht überzeugen. Wenn sich das Auge nach aussen dreht, 
wirken dagegen hauptsächlich die inneren Stränge beider Sehnen. So bleibt 
die Richtung des Muskelzuges dieselbe trotz der veränderten Stellung des Auges. 
Diese aus der Anordnung der Muskeln gezogenen Schlüsse werden bestätigt 
durch die Erfahrungen, welche hei krankhafter Lähmung einzelner Muskeln 
beobachtet worden sind. Wenn zum Beispiel der obere schiefe Muskel gelähmt 
ist, so kann der innere gerade Muskel, allein wirkend, das Auge noch nach 
unten wenden. Aber Drehung um die Axe RI giebt nicht bloss eine resultirende 
Drehung nach der Axe CU, entsprechend der Länge cg in Fig. IS8, wie sie 
verlangt wird, sondern auch eine kleinere, entsprechend der Länge cf, nach der 
Axe CH, welche also einer negativen Drehung, einer Drehung nach links herum 
um die Blicklinie entspricht. Dabei erleiden dann die Objecte im Gesichtsfelde 
eine Scheindrehung nach rechts herum, wie der Zeiger einer Uhr. 
Für die Bewegungen aus der Primärstellung in schräger Richtung auf- oder 
abwärts muss eine Componente nach der Axe U0 mit einer verticalen Coin- 
ponente verbunden werden. Um nach innen und oben zu drehen, brauchen 
wir also den R. internus, der nach innen dreht um die verticale Axe, zugleich 
mit dem R. superior und Obi. inferior, die vereinigt nach oben drehen um die 
Axe UO. 
Mittels des Schemas in der Fig. IS8 lassen sich diese Combinationen leicht 
übersehen, sonst sind für die bequemere Uebersicht derselben drehbare Modelle 
des Auges construirt, Oplithalmotrope, deren Beschreibung unten folgen wird. 
Abgesehen von den bisher besprochenen Beschränkungen der Bewegung 
jedes einzelnen Auges, sind nun auch die Bewegungen unserer beiden Augen 
in gewisser Weise sowohl von einander abhängig, als auch die Accom¬ 
modation von der Augenstellung abhängig ist. Unter den gewöhnlichen 
Verhältnissen des normalen Sehens richten wir immer beide Blicklinien auf 
einen im Raume vor uns liegenden reellen Punkt, welcher nah oder weit entfernt 
sein kann. In diesem Punkte, dem Blickpunkte, schneiden sich beide Blick¬ 
linien. Trotzdem jedes Auge einen ganz selbständigen Muskelmechanismus hat,
        

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