Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/482/
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DRITTER ARSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSWAHRNEHMUNGEN. 
Endlich ist noch der Antheil zu bestimmen, den die einzelnen Augenmuskeln 
an den einzelnen normalen Bewegungen des Auges zu nehmen haben. Wie 
oben (S. 28) schon bemerkt ist, drehen der innere und äussere gerade Augen¬ 
muskel, für sich wirkend, das Auge um eine verticale Axe; die Axe für die 
Drehung durch den unteren und oberen geraden Muskel liegt nach den Be¬ 
stimmungen von Ruete horizontal, mit dem inneren Ende nach vorn sehend, 
unter einem Winkel von etwa 70° mit der Blicklinie; die Axe für den oberen 
und unteren schiefen Muskel liegt ebenfalls horizontal, das äussere Ende nach 
vorn sehend, unter einem Winkel von etwa 35° mit der Blicklinie. Drehungen 
um die verticale Axe des innern und äussern geraden Muskels entsprechen dem 
Gesetze von Listing, diese Muskeln können also auch isolirt angewendet werden. 
Dagegen würden Drehungen um die beiden andern Axen dem LiSTiNß’schen 
Gesetze nicht entsprechen. Um für eine Bewegung nach obeii eine horizontal 
von rechts nach links gerichtete Drehungsaxe zu erhalten, muss man eine 
Drehung durch den Rectus superior mit einer durch den Obliquus inferior ver¬ 
binden; für eine Drehung nach unten den Rectus inferior mit dem Obliquus 
superior. Es ist ein bekanntes mechanisches Gesetz, dass man für kleine 
Drehungen die Dreliungsaxen nach dem Gesetz des Parallelogramms der Kräfte 
zusammensetzen kann, wobei die Grösse der Drehung die Intensität der Kraft 
repräsentirt, und alle Drehungen, die vom Mittelpunkt aus gesehen nach rechts 
herum (wie der Zeiger einer Uhr) vor sich gehen, als positiv, die entgegen¬ 
gesetzten als negativ gerechnet werden. In Fig. 1S8 ist ein horizontaler Quer¬ 
schnitt des Auges gezeichnet mit den Drehungs- 
axen, wobei die positiv zu rechnenden Enden 
der Axen mit den Anfangsbuchstaben der be¬ 
treffenden Muskeln, Obliquus superior ;und 
V 
ftS inferior, Rectus superior und inferior bezeichnet 
\ sind. Ausserdem ist die nach dem LisTiNG’schen 
P Gesetz geforderte Horizontalaxe O U für die 
Bewegungen nach oben und unten angegeben; 
der Buchstabe 0 bezeichnet das positive Ende 
der Axe für die Drehung nach oben, U für 
die nach unten. Die Zeichnung entspricht dem 
linken Auge von oben gesehen, oder dem 
rechten von unten. 
Fiq. 458. 
Wenn nun das Linienstück cb der Grösse 
der Drehung durch den Rectus superior proportional ist, ca der durch den 
Obliquus inferior, so bezeichnet c 0, als Diagonale des Parallelogramms cbOa 
die Richtung der gemeinsamen Drehungsaxe und ist der Grösse dieser Drehung 
proportional. Es erhellt aus dieser Figur, dass bei derjenigen Lage, welche die 
Axen bei geradeaus gerichtetem Auge haben, die resultirende Drehungsaxe UO 
der Axe der betreffenden beiden geraden Augenmuskeln näher liegt, als der¬ 
jenigen der schiefen Muskeln. Dadurch wird denn die Seite bc des Parallelo¬ 
gramms grösser als ca, das heisst der betreffende gerade Muskel muss eine 
stärkere Anstrengung machen, als der mitwirkende schiefe Muskel. Wenn
        

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