Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/432/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 25. 
noch grösseren Abweichungen der Helligkeit sehe ich nur den dunklen gefäss- 
losen Hof ohne helle Umsäumung. 
Der dunkle gefässlose Hof ist der constanteste Tlieil der Erscheinung. Sein 
Verhalten ist zuerst von Maxwell 1 genauer untersucht worden. Wenn man 
homogenes Licht anwendet, erscheint er nach ihm nur im Blau, nicht in anderen 
Farben. Uebrigens erscheint er auch in gemischten Farben, wenn sie Blau 
reichlich enthalten, namentlich auch, freilich schwach, im Weiss. Wenn man 
das ausgeruhte Auge nach einer blauen Fläche hinwendet, erscheint er, und 
schwindet bald wieder, bei heller Beleuchtung schneller als bei schwacher. 
Maxwell empfiehlt abwechselnd vor das Auge blaue und gelbe Gläser oder blaue 
und gelbe Papiere zu bringen. Im Blau erscheint der Fleck, im Gelb verschwindet 
er. Ich selbst sehe ihn am schönsten am Abendhimmel, wenn die ersten Sterne 
zu erscheinen anfangen, und man sich schon längere Zeit im Freien befindet, 
so dass die Augen hinreichend ausgeruht sind. Wenn man sie einige Augen¬ 
blicke schliesst, und dann nach dem Himmel hin öffnet, sieht man den gefäss- 
losen Hof einige Zeit lang sehr deutlich, die Netzhautgrube in seinem Innern 
auch häufig und zwar als einen etwas helleren Fleck von reinerem Blau, ziemlich 
scharf begrenzt. Dabei ist es eigenthümlich, dass, wie schon Maxwell bemerkt 
hat, der Lichteindruck in den centralen Stellen der Netzhaut einen Moment 
später zur Empfindung kommt, als in den peripherischen Theilen. Maxwell 
liess zu dem Ende eine Reihe dunkler Streifen vor einem blauen Felde mit ge¬ 
wisser Geschwindigkeit Vorbeigehen. Man sieht es aber auch beim einfachen 
Aufschlagen der Augen. Das Dunkel der geschlossenen Augen schwindet deutlich 
von der Peripherie des Gesichtsfeldes nach dem Centrum hin, und der letzte 
Best desselben bleibt als der MAxwELL’sche Fleck bestehen. Bei gewissen 
Helligkeitsgraden, namentlich dem oben bezeichneten des Himmels, wenn die 
ersten Sterne sichtbar werden, ist die Erscheinung beim Aufschlagen der Augen 
noch complicirter. Während nämlich in der beschriebenen Weise das Dunkel 
von der Peripherie nach dem Centrum schwindet, sieht man auch noch entweder 
die Netzhautgrube allein, oder den ganzen MAxwELL’schen Fleck hell aufblitzen. 
Vielleicht geht das helle Aufblitzen der dunklen Erscheinung etwas voraus, aber 
die Zeit ist so kurz, dass beides scheinbar gleichzeitig eintritt, wie auch Aubert 
an Nachbildern bei der Beleuchtung durch den elektrischen Funken ähnliches 
bemerkt hat. 
Zuweilen, wenn die Netzhautgrube recht deutlich erscheint, sehe ich in 
dem gefässlosen Hofe noch schwache Linienzeichnungen, ähnlich den Umrissen 
einer vielblättrigen Blume (z. B. einer Georgine, Dahlia). Es sind dies wohl 
Andeutungen derselben Zeichnung, welche deutlicher bei intermittirendem Lichte 
zum Vorschein kommt. 
Endlich muss ich noch bemerken, dass ich den MAxwELL’schen Fleck oft 
zufällig des Morgens nach dem Aufstehen, wenn ich das Auge zuerst auf ein 
helles Fenster mit breiter lichter Fläche geheftet hatte, und es dann nach einem 
1 Athenäum. 1856. p. 1093. Edinb. Journ. (2) IV. 337. Inst. 1856. p 424. Rep. of British Association. 
1856. II. 12.
        

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