Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/431/
§. 25. 
SICHTBARKEIT DES GELBEN FLECKS. 
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dessen Grösse ungefähr der gefässlosen Stelle des gelben Flecks entspricht, 
wie sie erscheint, wenn man die Gefässe entoptisch sichtbar macht. Die äussere 
Begrenzung dieses Hofs, den wir den gefässlosen nennen wollen, ist ver¬ 
waschen, sein Durchmesser ungefähr dreimal grösser als der der Netzhautgrube, 
beträgt also etwas über 2 Winkelgrade. Bald erscheint seine Grenze ziemlich 
kreisförmig, namentlich hei schwachem Lichte, bald einem Rhombus ähnlicher, 
dessen längere Diagonale horizontal liegt. In letzterer Weise erscheint sie mir 
selbst namentlich hei stärkerem Licht. Es entspricht diese Stelle anatomisch 
dem mittleren intensiv gelb gefärbten Theile des gelben Flecks, dessen horizon¬ 
taler Durchmesser von H. Müller in zwei Augen gleich 0,88 und 1,5 Mm., der 
verticale gleich 0,53 und 0,8 gefunden wurde. Uebrigens breitet sich die gelbe 
Färbung noch viel weiter aus, ist aber schwach und verwaschen. 
Endlich sieht man bei stärkerem Licht den dunklen gefässlosen Hof noch 
umgeben von einem hellen Hofe, dessen äussere Begrenzung sehr unbestimmt 
bezeichnet ist, und die mir selbst ebenfalls mehr rhombisch, als kreisförmig 
erscheint. Ihre beiden Durchmesser sind etwa drei mal so gross, als die des 
dunklen gefässlosen Hofes. Ein anatomisch wohlbegrenztes Substrat dieser Stelle 
lässt sich nicht bezeichnen. Die gelhliche verwaschene Färbung der äusseren 
Theile des gelben Flecks fällt mit diesem hellen Hofe einigermassen zusammen. 
Doch lässt sich über die Congruenz ihrer Grösse nichts sagen, da die Ausdehnung 
der schwachen gelben Färbung zu breite individuelle Abweichungen zeigt, Viel¬ 
leicht verdankt dieser äusserste helle Hof seinen Ursprung auch nur einer Con- 
trastwirkung, wir können ihn nach seinem Entdecker, dem er kreisförmig er¬ 
schien, den LoEWE’schen Ring nennen. 
Loewe 1 entdeckte diesen Ring, indem er durch eine klare seladongrüne 
Auflösung von Chromchlorid nach einer hellen Fläche sah. Der Ring erschien 
im Vergleich zu dem grünlichen Grunde violett, den mittleren dunkleren Hof 
umgebend, so dass ihn Haidinger mit einem Abbilde der Iris vergleicht, die 
die dunkle Pupille umgiebt. Haidinger zeigte, dass dichromatische Mittel zur 
Herstellung der Ringe nicht noting seien, dass sie im homogenen Blau des pris¬ 
matischen Spectrum erscheinen, und auch in gemischtem Licht, welches ge¬ 
nügend Blau enthält. In letzterem zeigen sie verschiedene Farbenunterschiede 
von dem übrigen Grunde, je nach der Beschaffenheit der dem Blau zugemischten , 
Farben. Verschiedenen Augen scheint dieser Ring mit verschiedener Deutlich¬ 
keit zu erscheinen, so dass viele ihn überhaupt nicht sehen können. Ich selbst 
sehe ihn nur bei einer gewissen mittleren Helligkeit, derjenigen etwa, die uns 
zum Schreiben und Lesen bequem ist. Wenn ich vor die Augen ein blaues 
Glas halte, sie durch Verschluss der Lider eine Weile ausruhe, und dann durch 
das Glas nach einer weissen Papierfläche sehe, erblicke ich deutlich den gefäss¬ 
losen Hof, als einen rhombischen schattigen Fleck, umgeben von einem rhom¬ 
bischen, heller blauen Streifen, den LoEWE’schen Ring. Bei etwas grösserer 
und etwas kleinerer Helligkeit erscheint mir der LoEWE’sche Ring schmaler, bei 
1 Haidinger in Pogg. Ann. LXX. 403. LXXXVIII. 451. Wiener Sitzungsber. IX. 240. 
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