Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/413/
§. 24. 
CONTRAST AUF GROSSEM FARBIGEM FELDE. 
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nahe bringt, ohne sie aber damit zusannnenfallen zu lassen. Blickt man durch die 
Oeffnung des Schirms nach der Linse, so erscheint diese desto heller erleuchtet, 
je näher man dem optischen Bilde der Lichtquelle kommt. Ein ganz entsprechen¬ 
des Phänomen entsteht im Auge. Wenn man eine Lichtflamme vor einem sehr 
dunkeln Felde sieht, z. B. vor der geöffneten Thür eines ganz dunkeln Raumes, 
so erscheint die Flamme von einem weissliehen Nebel umgeben, der in ihrer 
unmittelbaren Nähe am hellsten ist. Man bemerkt diesen Lichtschein am besten, 
wenn man einen kleinen undurchsichtigen Körper zwischen das Auge und die 
Flamme bringt, so dass diese nicht mehr gesehen wird. Augenblicklich ver¬ 
schwindet auch der Lichtnebel vor dem Grunde, und man sieht diesen in seiner 
eigentümlichen Schwärze. Ist das Licht farbig, so ist natürlich auch der zer¬ 
streute Lichtnebel von derselben Farbe. Ich glaube auch in diesem Falle nicht 
zweifeln zu dürfen, dass dieser Lichtnebel von der Zerstreuung objectiven Lichts 
herrührt, da die Verteilung des Lichts ganz dieselbe ist, welche ein System 
Glaslinsen unter denselben Umständen geben würde. Aber allerdings fehlt hier 
der Nachweis mittels der Schatten der Netzhautgefässe, der in dem erst erwähnten 
Falle gegeben werden konnte. Beim blauen Lichte kommt endlich auch noch das 
durch Fluorescenz der Linse zerstreute weissbläuliche Licht hinzu, welches sich 
ebenfalls über den ganzen Grund des Auges ausbreitet. Wenn also eine grosse 
Menge farbigen Lichts in das Auge fällt, werden immer auch solche Tbeile der 
Netzhaut, welche Bilder dunkler Objecte empfangen, von dem herrschenden 
Lichte schwach beleuchtet werden, und zwar desto stärker, je näher sie den 
Bildern der hellen Flächen liegen. Ausserdem besteht im Bereich des dunkeln 
Bildes die innere Reizung der Nervenmasse, das weissliche Eigenlicht der Netz¬ 
haut. Dieses allein genommen würde im Contrast zur herrschenden Farbe dieser 
complementär erscheinen. Kommt aber viel der inducirenden Farbe gleich¬ 
namiges Licht hinzu, so wird dies von Anfang an den überwiegenden Eindruck 
machen, daher denn, wie oben bemerkt, schwarze Scheibchen vor farbigen 
Gläsern bei geringerer Helligkeit complementär, bei grösserer gleichfarbig er¬ 
scheinen. 
Der zweite Fall, wo die inducirte Farbe der inducirenden gleichartig ist, 
bei langer Fixation nämlich, erklärt sich aus dem, was im vorigen Paragraphen 
über das allmälige Erlöschen der Bilder durch lange Fixation beigebracht worden 
ist. Es ist schon dort bemerkt worden, dass wenn eine Stelle der Netzhaut 
lange Zeit hindurch von demselben Lichteindrucke getroffen wird, die Empfindung 
der Helligkeit immer schwächer und die Farbe immer weniger gesättigt wird. 
Indessen bemerken wir diese Veränderung des Eindrucks nur, wenn wir Ver¬ 
gleichungen mit dem Eindruck, den dasselbe Licht auf unermüdete Netzhaut- 
steilen macht, anstellen. Wir halten also dabei das Urtheil über die Farbe und 
Helligkeit fest, welches wir uns beim ersten Anblick gebildet haben. In der 
That würden wir, selbst wenn wir den Wechsel des Eindrucks bei einiger ' 
Aufmerksamkeit bemerken, ihn bald als subjective Erscheinung erkennen 
lernen, da er ja in jedem einzelnen Falle immer und immer wiederkehrt, und 
würden ihn, wie andere ähnliche subjective Erscheinungen, bald übersehen 
lernen. 
Encvklop. d. Physik. IX. Helmholtz, Physiol. Optik. 
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