Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/412/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 24. 
Auch dann ist die gleichnamige Färbung bei Entfernung des farbigen Grundes 
deutlicher als bei der Unterschiebung desselben. 
Natürlich verhält es sich ganz ebenso, wenn man das Papierschnitzelchen 
gleichzeitig mit dem farbigen Grunde entfernt, und nun die Nachbilder beider 
auf einen weissen oder schwarzen Grund projicirt, und es rechtfertigt sich hier¬ 
durch, dass wir im vorigen Paragraphen die Farbe des Nachbildes des Weiss 
in diesem Falle für eine Contrastfarbe erklärten. 
Ehe wir die Fälle von Contrast verlassen, bei denen die inducirte Farbe 
den grössten Theil des Gesichtsfeldes einnimmt, müssen wir noch den Grund 
der zuweilen erscheinenden Färbung des reagirenden Feldes, welche der in- 
ducirenden gleichnamig ist, erörtern. Es kommt dies unter zwei Bedingungen vor, 
erstens nämlich wenn das inducirende Feld eine sehr grosse Lichtstärke hat, 
zweitens bei langem Fixiren desselben Punktes. 
Wenn das inducirende Feld eine sehr grosse Lichtstärke hat, halte ich 
das Auftreten der gleichnamigen Färbung im reagirenden Felde nicht für eine 
subjective Erscheinung, sondern für eine Ausbreitung objectiven Lichts. Jede 
feste und flüssige durchsichtige Substanz, welche wir kennen, zerstreut kleine 
Mengen des Lichts, welches durch sie hindurchgeht, nach allen Seiten hin, und 
erscheint deshalb, wenn starkes Licht durch sie hingeht, selbst schwach er¬ 
leuchtet. Dass dies auch mit der Hornhaut und der Krystalllinse des Auges 
der Fall ist, haben wir schon oben (§. 14, S. 142) erwähnt. Mau denke ferner 
an die entoptischen Objecte des Glaskörpers, welche nothwendig das durchge¬ 
hende Licht theilweis von seinem Wege ablenken müssen, man denke daran, 
dass Licht von den erleuchteten Stellen der Netzhaut nach den übrigen Theilen 
des Augengrundes hin reflectirt wird, so ergiebt sich, dass wenn eine grössere 
Menge Licht in das Auge eindringt, immer merkliche Mengen davon über einen 
grösseren oder kleineren Theil des Augengrundes ausgebreitet sein werden. 
Am deutlichsten zeigt sich diese Beleuchtung durch diffuses Licht bei der 
zweiten in §. 15 beschriebenen Methode, die Gefässe der Retina sichtbar zu 
machen, indem man eine Kerzenflamme unterhalb des Auges hin und her be¬ 
wegt. In dem Lichtnebel, welcher hierbei den Grund des Auges ausfüllt, er¬ 
scheinen die Schatten der Netzhautgefässe; die Beleuchtung ist also jedenfalls 
eine objective, und nicht blos eine Ausbreitung der Lichtempfindung in der 
Netzhaut. 
Nun kann man sich bei objectiven Versuchen mit Glaslinsen leicht über¬ 
zeugen, dass das diffus zerstreute Licht immer am stärksten in der Nähe des 
regelmässig gebrochenen Lichtbündels ist, und schwächer wird, je weiter man 
sich von diesem entfernt. Lässt man Sonnenlicht durch die Oeffnung eines 
schwarzen Schirms auf eine entfernte Linse fallen, und fängt das Bild der 
hellen Oeffnung auf einem weissen Schirme auf, so sieht man das helle Bildchen 
von einem weissen Nebelschein umgeben, der auch sichtbar wird, wenn man 
das Bild der hellen Oeffnung selbst dicht am Rande des Schirms Vorbeigehen 
lässt. Jener weisse Nebelschein ist also keine im Auge entstehende Irradiation, 
sondern eine objective Erscheinung. Noch besser sieht man es, wenn man in 
den Schirm eine kleine Oeffnung macht, die man dem Bilde der hellen Oeffnung
        

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