Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/393/
§• 23. 
FLIMMERNDE ROTI RENDE SCHEIBEN. 
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Augenblick fällt, sondern die Erregung für Roth und Violett früher eintritt 
als für Grün. 
Es treten diese Farbenerscheinungen 
gewöhnlich nicht im ersten Augenblicke 
des Hinsehens ein, sondern erst nach 
einiger Zeit, und werdèn dann allmälig 
immer glänzender. Es scheint also ein 
gewisser Grad von Ermüdung des Auges 
durch das flimmernde Licht dafür notli- 
wendig zu sein. Ausserdem verbinden 
sich damit nun noch andere Erscheinungen, 
welche von einer verschiedenen Em¬ 
pfänglichkeit verschiedener Stellen der 
Netzhaut für diese Art von Reizung her¬ 
zurühren scheinen. Es werden nämlich 
in dem flimmernden Licht gewisse Muster 
sichtbar, die zum Theil in Beziehung zu 
bestimmten Stellen der Netzhaut stehen, 
Purkinje’s 1 Lichtschattenfigur. Wenn nämlich die Geschwindigkeit der 
Scheibe so gross geworden ist, dass man die einzelnen Sectoren nicht mehr 
einzeln erkennt, so erscheint die Zahl der Sectoren vermehrt, und diese bilden 
gleichsam ein Gitter von verwaschen gezeichneten und gekrümmten Stäben, 
dessen Maschen in Richtung des Radius der Scheibe am längsten sind. Rei 
steigender Schnelligkeit der Bewegung wird die Zeichnung feiner, ähnlich der 
eines Stickmusters, und es erscheint an derjenigen Stelle des flimmernden Feldes, 
welche dem gelben Flecke entspricht, eine eigenthümliche in schärferen Gegen¬ 
sätzen von Licht und Dunkel gezeichnete rundliche oder querovale Figur, zu 
vergleichen etwa mit einer vielblätterigen Rose, deren Blätter aber sich einer 
sechseckigen Form nähern. In ihrem Centrum steht ein dunkler Punkt, von 
einem hellen Kreis umgeben. Dieselben Figuren kann man auch hervorbringen, 
indem man mit geschlossenen Augenlidern sich gegen ein helles Licht kehrt, 
und die aus einander gespreizten Finger vor dein Auge hin und her bewegt, 
so dass das Auge in schnellem Wechsel beleuchtet, und ..beschattet wird. Ueber- 
haupt kommt es nur darauf an, einen solchen schnellen Wechsel von Schatten 
und Licht hervorzubringen. Purkinje unterscheidet bei diesen Figuren die 
primären und secundären Gestalten. Die primären Gestalten sind in seinem 
rechten Auge grössere und kleinere Vierecke, schachbrettartig dunkel und hell 
wechselnd, die den grössten Theil des Gesichtsfeldes überziehen. Nur abwärts 
vom Mittelpunkte sieht er grössere Sechsecke in einer Strecke ausgebreitet. 
Von der in meinen Augen ziemlich regelmässig ausgebildeten Rosette des gelben 
Flecks scheint er nur einzelne Züge gesehen zu haben, dagegen sind bei mir die 
Flecken ausserhalb des Centrum weder regelmässig viereckig noch sechseckig, son¬ 
dern unregelmässig, nach der Peripherie an Grösse zunehmend. Aehnlich sah sie 
1 Beobachtungen und Versuche zur Physiologie der Sinne. Bd. f. Prag 1823. S. 10. 
Fig. 450.
        

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