Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/378/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 23. 
ihn zu durchmustern, weil hier die Nachbilder jedes Theiles des Horizonts 
jedem anderen Theile congruent sind, und welche Stelle man auch fixiren mag, 
das Nachbild des dunkleren Meeres auf Meer, des helleren Himmels auf Himmel 
fallt. Richtet man den Blick dann etwas höher, so erscheint am unteren Theile 
des Himmels ein hellerer Streif, der unten begrenzt ist durch die jetzt wieder 
sichtbar werdende Grenze des Meeres, oben durch eine dieser parallel fort¬ 
laufende Linie, die durch den neuen Fixationspunkt geht. Dieser Streif ist das 
negative Nachbild des Meeres, aijf den Himmel projicirt. Richtet man den Blick 
umgekehrt tiefer, so erscheint ein schwarzer Streif, das negative Nachbild des 
Himmels auf dem Meere, nach oben begrenzt durch den Horizont des Meeres, 
nach unten durch eine damit parallele Linie. So kann der Horizont im indirecten 
Sehen sichtbar werden, aber er verschwindet immer wieder, wenn man ihn 
direct zu fixiren sucht. 
Aèhnliche Erscheinungen treten auch ein, wenn man ein weisses oder 
schwarzes Quadrat auf grauem Grunde fixirt, und den Fixationspunkt ein wenig 
verändert. Dann deckt das Nachbild des Papiers nicht vollständig das Papier 
selbst und die Ränder verändern ihre Helligkeit. Wo das Nachbild des weissen 
Papiers auf den grauen Grund zu liegen kommt, erscheint dieser dunkler; wo 
das Nachbild des grauen Grundes sich über das weisse Papier hinschiebt, er¬ 
scheint dieses heller. Beim schwarzen Papier ist es umgekehrt. Hat man den 
Blick eine Zeit lang genau an einem bestimmten Punkte des Papiers festgehalten 
und richtet ihn plötzlich auf einen anderen benachbarten Punkt, so sind auch 
die Ränder des Nachbildes scharf gezeichnet, und der wahre Sachverhalt 
ist leicht zu erkennen. Wenn man dagegen fortdauernd mit dem Fixationspunkte 
geschwankt hat, so sind die Nachbilder schlecht begrenzt, und es erscheint dann 
der helle Grund in der Nähe des weissen Papiers nur verwaschen dunkler 
schattirt, und der Rand des weissen Papiers ebenso hell schattirt. Aehnliches 
geschieht, wenn man eine Zeit lang ein weisses Quadrat auf dunklem Grunde 
betrachtet hat und, ohne den Fixationspunkt zu verändern„ das Auge plötzlich 
dem Object näher bringt, so dass die scheinbare Grösse des letzteren wächst. 
Dann erscheint der Rand des Quadrats, soweit er jetzt nicht mehr von dem 
Nachbilde des früher gesehenen Bildes gedeckt wird, hell aufzublitzen. Entfernt 
man dagegen das Auge plötzlich, nachdem man das Quadrat längere Zeit fixirt hat, so 
erscheint es auf dem dunkeln Grunde von einem dunkleren Rahmen umgeben. 
Für die Seitentheile der Netzhaut haben Purkinje und Aubert bemerkt, 
dass der Eindruck heller Objecte auf ihnen viel leichter schwindet, als im 
Centrum. Die Ermüdung scheint dort also viel schneller einzutreten. Für die 
negativen Nachbilder auf den Seitentheilen hat Aubert gefunden, dass sie 
weniger intensiv sind, als die centralen, übrigens sich im Wesentlichen ähnlich 
verhalten. Ausserdem, finde ich, werden sie viel leichter übersehen als die 
centralen Nachbilder, selbst auf hellen Flächen, und nur beim Wechsel der Be¬ 
leuchtungsstärke bemerkt man sie leicht. 
Wir gehen jetzt über zu den Farbenerscheinungen der Nachbilder. Wenn 
man farbige Objecte betrachtet hat, und die Nachbilder auf ganz dunklem oder 
weissem Grunde von verschiedener Helligkeit betrachtet, so entsteht je nach
        

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