Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/373/
§■ 23. 
NEGATIVE NACHBILDER. 
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dieses Eigenlicht selbst in der nächsten Umgebung des dunklen Nachbildes durch 
Contrast mit diesem etwas heller. 
Grössere Intensität des primären Lichts giebt dem negativen Nachbilde 
eine grössere Deutlichkeit und Dauer. Auch unterscheiden sich im Nachbilde 
diejenigen Theile eines als primär beleuchtendes Object gebrauchten, blendend 
hellen Gegenstandes, welche eine objectiv verschiedene, für die Empfindung aber 
nicht verschiedene Lichtstärke haben. Ich habe oft gesehen, wenn ich nach der 
untergehenden Sonne geblickt hatte, dass Gegenstände, die einen Theil der 
Sonnenscheibe bedeckten, im negativen Nachbilde deutlich zu erkennen waren, 
von denen beim directen Anblick der Sonne wegen der Irradiation keine Spur 
zu erkennen war. Selbst kleine Gegenstände, Zweige und Blätter von Bäumen 
können auf diese Weise nachträglich sichtbar werden. Die Reizempfäitglichkeit 
derjenigen Netzhauttheile, welche das Bild der Sonnenscheibe selbst aufgenommen 
haben, ist also nachher stärker verändert, als sie es in den Netzhautstellen ist, 
welche von den Zerstreuungskreisen und dem diffus verbreiteten Lichte getroffen 
waren, obgleich die ursprüngliche Empfindung beider sich nicht unterscheiden 
liess. Eben deshalb sind Nachbilder der Sonne anfangs gewöhnlich grösser als 
die Sonnenscheibe, und werden später kleiner, indem sich anfangs noch ein 
Nachbild der Zerstreuungskreise am äusseren Rande der Sonne hinzugesellt, 
welches aber schneller negativ wird und endlich früher schwindet als das der 
Mitte des Sonnenkörpers, wo die volle Helligkeit desselben eingewirkt hat. 
Der Einfluss der Dauer der primären Bestrahlung ist für das negative 
Nachbild ein anderer als für das positive. Nämlich die Stärke des negativen 
Nachbildes nimmt zu mit der Dauer der Bestrahlung, und scheint sich erst bei 
längerer Dauer asymptotisch einem gewissen Maximum zu nähern. Durch lange 
Dauer sehr starker Bestrahlung kann sogar eine bleibende Veränderung der be¬ 
treffenden Netzhautstelle entstehen, wie dies Ritter1 erfuhr, als er 10 bis 
20 Minuten lang direct in die Sonne gesehen hatte. Zur Erzeugung deutlicher 
negativer Nachbilder ist es deshalb nützlich, die primäre Bestrahlung länger 
(bei mässigem Licht etwa 5 —10 Secunden) dauern zu lassen. Dann ist das 
positive Nachbild schwach und schwindet schnell, das negative dagegen stärker 
und dauert länger. So z. B. schwindet nach der Betrachtung heller Wolken durch 
das Fenster von 1/3 Secunde Dauer das positive Nachbild nach etwa 12 Secunden, 
das negative auf hellerem Grunde nach etwa 24 Secunden. Wenn ich dasselbe 
Object dagegen 4 oder 8 Secunden betrachtete, schwand das negative Nachbild 
erst nach 8 Minuten. Ich hielt das Gesichtsfeld dabei ganz dunkel und liess 
nur von Zeit zu Zeit schwaches- Licht durch die geschlossenen Lider einfallen, 
um zu prüfen, ob das Nachbild noch da sei. Um das negative Nachbild recht 
scharf gezeichnet zu erhalten, ist es nothwendig, während der Dauer der Be¬ 
strahlung scharf einen bestimmten Punkt des hellen Objects zu fixiren. In dem 
negativen Nachbilde ist es noch besser als in dem flüchtigeren positiven möglich 
nachträglich Einzelheiten zu erkennen, die man bei der directen Beschauung 
nicht bemerkt hat. Hat man nach einander zwei verschiedene Punkte des 
1 Beiträge zur näheren Kenntniss des Galvanismus. 1805. Bd. II. S. 175—181.
        

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