Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/370/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 23. 
achter, welcher dergleichen Versuche machen will, ist anzurathen, an jedem 
einzelnen Tage nur sehr wenige Versuche dieser Art zu machen, und die Ver¬ 
suchsreihen für längere Zeit abzubrechen, sobald er bemerkt, dass nach den 
Versuchen oder überhaupt beim Ansehen hellen Lichtes oder lebhafter Farben 
sich leichte Schmerzen in den Augen oder im Kopfe einstellen, oder wenn die 
Nachbilder anfangen lebhafter und dauernder zu werden, als sie im gesunden 
Auge sind. 
Wir unterscheiden positive und negative Nachbilder in derselben 
Weise, wie man hei den Photographien von positiven und negativen Bildern 
redet. Positive Bilder sind solche, in denen die hellen Parthien des Objects 
ebenfalls hell, die dunkeln dunkel sind, negative Bilder dagegen solche, in 
denen die hellen Parthien des Objects dunkler, die dunkeln heller erscheinen. 
Ich werde den Gang der Erscheinungen nun zunächst beschreiben, indem 
ich nur auf die Lichtstärke, nicht auf den Wechsel der Farben Rücksicht nehme, 
welcher den Wechsel der Helligkeit in den meisten Fällen begleitet, und seine 
Erklärung wahrscheinlich darin findet, dass für die verschiedenen Farben die 
Dauer der einzelnen Stadien der Erscheinung verschieden ist. Um den normalen 
Verlauf der Nachbilder ungestört zu beobachten, ist es nothwendig, zunächst die 
Netzhaut von den Nachbildern der früheren Lichteindrücke zu befreien, wozu 
es gewöhnlich noting ist und genügt, einige Minuten mit dicht bedeckten Augen 
zu sitzen, bis man im dunkeln Gesichtsfelde nichts mehr vor sich sieht, als das 
Lichtchaos, dessen eigentlnimliche Figuren (meist gleichsam helle Gerinnsel durch 
baumartig und netzförmig vertheilte dunkle Streifen getrennt) man bald kennen 
lernt. Wenn man keine Bruchstücke von Zeichnungen äusserer Gegenstände 
mehr sieht, und auch beim Eindringen ganz schwachen Lichts durch die ge¬ 
schlossenen Augenlider keine mehr sichtbar werden, ist das Auge vorbereitet, 
um den Eindruck zu empfangen. 
Richtet man nun die Augen eine kurze Zeit auf einen hellen Gegenstand, 
z. B. die helle Fensterfläche, am besten so, dass man die Richtung der Augen 
unverändert lässt, und sie nur auf- und zudeckt, so bleibt unmittelbar hinterher 
ein positives Bild des primären hellen Objects stehen, wie dies schon im 
vorigen Paragraphen besprochen ist. Dieses Bild ist desto schärfer und 
deutlicher, je weniger die Richtung der Augen verändert worden ist, und seine 
Helligkeit finde ich am grössten, wenn die Bestrahlung der Netzhaut durch das 
primäre Licht etwra nur i/3 Secunde gedauert hat. Die. Erscheinungen des 
vorigen Paragraphen haben gelehrt, dass die Stärke der Reizung durch das 
Licht während der ersten Zeitmoinente seiner Wirkung zunimmt, aber sie er¬ 
reicht sehr schnell ihr Maximum. Dauert die Bestrahlung länger als y3 Secunde, 
so nimmt die Stärke des Nachbildes, welche der Intensität der zurückbleibenden 
Reizung der Sehnervensubstanz entspricht, schnell wieder ab, wovon wir den 
wahrscheinlichen Grund später nachweisen werden. Je grösser übrigens die 
Intensität des primären Lichtes ist, desto heller ist das positive Nachbild und 
desto länger dauert es. Dabei ist zu bemerken, dass im positiven Nachbilde 
oft auch Grade der Helligkeit unterscheidbar werden, welche beim directen 
Anblick wegen zu grosser Helligkeit nicht Unterschieden wurden. Dreht man
        

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