Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/359/
§. 22. 
EINRICHTUNG DER FARBENKREISEL. 
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das Maximum der Geschwindigkeit, was man ihm mit den Fingern mittheilen kann, nur un¬ 
gefähr 6 Umdrehungen in der Secunde, wonach er 3 bis 4 Minuten in Bewegung bleibt. 
Wegen der geringen Rotationsgeschwindigkeit bekommt man einen ganz gleichmässigen Licht¬ 
eindruck nur wenn die Scheiben in 4 oder 6 Sectoren getheilt, und in jedem die gleiche 
Vertheilung von Farben, Licht und Schatten angebracht ist. Ist die Zahl der gleichen Wieder¬ 
holungen der Zeichnung eine geringere, so giebt es wenigstens bei starker Beleuchtung ein 
mehr oder weniger schillerndes Ansehen der Scheibe. Die Zeichnungen kann man selbst 
während des Ganges der Scheibe leicht darauf werfen, und kann auch leicht Veränderungen 
hervorbringen, wenn man auf eine volle Scheibe eine mit ausgeschnittenen Sectoren wirft, 
deren Lage auf der unteren man durch Hinstreifen mit den Fingern oder durch Blasen mit 
dem Munde verändern kann; so lassen sich während des Ganges der Schéibe sehr mannig¬ 
faltige Variationen hervorbringen. 
Giebt man der Scheibe z. B. gleich breite blaue und rothe Sectoren, und legt darauf 
eine Scheibe mit gleich breiten Sectoren, von denen man den ersten, dritten, fünf¬ 
ten u. s. w. schwarz gemacht hat, während der zweite, vierte, sechste u. s. w. fortge- 
schnitten ist, so wird bei der Rotation die ganze Scheibe blau sein, wenn die schwarzen 
Sectoren der oberen Scheibe auf die rothen der unteren fallen, und diese verdecken, dagegen 
wird die Scheibe rolh erscheinen, wenn die schwarzen Sectoren der oberen Scheibe auf die 
blauen der unteren fallen, in den Zwischenlagen erhält man verschiedene Mischungen von 
Roth und Blau, und kann daher während des Ganges der Scheibe die eine Farbe allmälig in 
die andere übergehen lassen, wenn man durch Ueberstreifen mit dem Finger oder durch 
Blasen die Lage der oberen Scheibe verändert. Begrenzt man die verschiedenen Sectoren 
nicht durch gerade, sondern durch krumme oder gebrochene Linien, so kann man leicht sehr 
mannigfache und bunte Wechsel von Ringsystemen erzeugen. 
Um den Kreiseln grössere Geschwindigkeit zu geben, müssen sie durch ein um ihren 
Stiel geschlungenes Band, welches man abzieht, in Bewegung gesetzt, werden. Die einfachste 
Einrichtung dazu ist die in Fig. lil abgebildete. Es dient dazu ein hölzerner Hohlcylinder c, 
Fig. 141. 
der au einem Stiele d sitzt, bei b und e zwei einander gegenüberstehende Durchbohrungen 
seiner Mantelfläche hat, und von beiden um einen rechten Winkel entfernt einen Einschnitt. 
Man steckt den Stiel b des Kreisels durch die Oeffnungen des Cylinders, führt das Ende 
eines starken Fadens durch eine Durchbohrung des Stiels, und dreht mit dem Finger den 
Kreisel, bis der Faden aufgewickelt ist. Der Theil des Stiels, um den der Faden aufgewickelt 
ist, wird dadurch so dick, dass er nicht mehr aus der Hülse c hinausgleiten kann. Hält man 
nun den Kreisel mittels der Hülse nahe über einem Tische, zieht den Faden kräftig ab, so 
kommt der Kreisel in schnelle Rotation, und fällt, sobald der Faden abgewickelt ist, auf den
        

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