Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/344/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 21. 
meinsame Röhrenstück ist durch ein SoLEiL’sches Polariskop geschlossen. So lange die bei¬ 
den senkrecht gegen einander polarisirten Lichtmengen ungleiche Intensität haben, sieht man 
vier complementär gefärbte Halbkreise. Hie Farben verschwinden, wenn man beide Licht¬ 
mengen dadurch gleich macht, dass man die Entfernung der Flammen verändert. In diesem 
Instrumente ist also die Vergleichung der Lichtstärke für das Auge zurückgeführt auf. die 
Vergleichung der Farben benachbarter Flächen. 
Im Princip ähnlich ist das auf einer Idee von Neumann beruhende Photometer von Wild >, 
aber durch die Abänderung des physiologischen Theils des Apparats scheint in diesem In¬ 
strumente der höchste Grad von Empfindlichkeit erreicht zu sein. Die beiden zu vergleichen¬ 
den Strahlen fallen parallel mit einander auf das Instrument und werden schliesslich zur 
Deckung gebracht, indem der eine unter dem Polarisationswinkel erst von einer Glasplatte 
A und dann von einem ihr parallelen Satze von Glasplatten ß reflectirt und vollständig polari- 
sirt wird, während der andere Strahl durch den Glassatz B hindurchgeht. Ehe dieser zweite 
Strahl jedoch unter dem Polarisationswinkel auf den Glassatz ß trifft, ist er schon durch 
einen eben solchen Glassatz C hindurchgegangen. Der Glassatz C ist um eine Axe drehbar, 
so dass der Strahl ihn unter verschiedenen genau messbaren Winkeln passireu kann, wodurch 
die Menge des durchgelassenen Lichts und das Verhältniss seiner Polarisation geändert wird. 
Uebrigens ist der Glassatz C so gestellt, dass die Polarisation, die der Strahl in ihm erhält, 
entgegengesetzt ist derjenigen, welche ihm der Glassatz B mittheilen würde. Lassen wir 
den zweiten Strahl senkrecht durch Ç gehen, so fällt er unpolarisirt auf ß, und wird hier 
entgegengesetzt dem ersten reflectirten Strahle polarisirt, mit dem er übrigens von da ab 
auf demselben Wege vereinigt weiter geht. Wird C mehr und mehr geneigt, so nimmt die 
Menge polarisirten Lichts im zweiten Strahle mehr und mehr ab, und zwar in einem Ver¬ 
hältnisse, welches man nach Messung des Einfallswinkels berechnen kann. Mit dem voll¬ 
ständig polarisirten ersten Strahle wird also eine variable Menge theils entgegengesetzt 
polarisirten, theils natürlichen Lichts des zweiten Strahls gemischt. Dieses gemischte Licht 
geht nun schliesslich durch eine senkrecht zur Axe geschnittene Kalkspathplatte und einen 
Turmalin. Ist die Menge polarisirten Lichts in beiden Strahlen gleich gross, so sieht 
der Beobachter nichts von dem Kreuz mit Ringen in der Kalkspathplatte, wohl aber 
wird dieses Kreuz sichtbar, sobald die Mengen polarisirten Lichts in beiden Strahlen 
nicht gleich gross sind. Die Empfindlichkeit des Auges im Erkennen der Polarisations¬ 
figur des Krystalls zeigte sich ausserordentlich gross, so dass bei wiederholten Ein¬ 
stellungen das Verhältniss der Intensitäten sich nur um y200 verschieden fand. Eine noch 
grössere Genauigkeit hat Wild 2 in seinem neueren Photometer erreicht, wo er statt der 
polarisirten Glasplatten doppeltbrechende Krystalle und als Polariskop zwei gekreuzte Berg- 
krystallplatten benutzte, welche unter 43u gegen die Axe geschnitten sind. Durch Linsen 
sind die Strahlen, die hindurchgehen, parallel gemacht. Dergleichen Platten zeigen ein gerad¬ 
liniges Fransensystem, von dem bei passender Einstellung des Apparats nur ein Querstreifen 
ausgelöscht wird, während zu beiden Seiten die Farben complementär sind. Der Beobachter 
kann sehr genau auf die Mitte der ausgelöschten Fransen das Fadenkreuz einstellen. Nach 
Wild’s Angaben beträgt der Fehler bei einmaliger Einstellung nur zwischen 0,00 I und 0,002 
der Lichtstärke. 
Talbot 3 hat zur Schwächung des Lichts eine rotirende Scheibe mit schwarzen und 
durchsichtigen Sectoren angewendet, und dieses Mittel ist auch von Babinet und Secciii 1 
zu Messungen der Sternhelligkeiten angewendet worden. 
Von Pouillet ä ist zur Erleichterung des physiologischen Theils der photometrischen 
Methoden vorgeschlagen worden, Lichtbilder zu gebrauchen, die nach Daguerre’s Verfahren 
‘ l'ogg. Ann. XCIX. -233. 
2 Mitth. der bernischen nalurf. Ges. 1839. .No. 127—129. 
3 l’ogg. Ann. XXXV. 137 , 461. Phil. Magaz. Nuv. 1831. p. 327. Darüber Plateau in Bullet, de l’Acad. de 
Bruxelles. 1833. p. 32. 
1 Arc1:, d. sc. phtjs de Genève. XX. 121 — 122. Mcmorie dcW'osscrvatorio di ltoinu. Cosines. I. 13. 
5 C, Il XXXV. 373 — 379. l’ogg. Ann. LXXXV1I. 190 — 498. Inst. 1832. p, 3JI. Cosmos. 1. 346 — 349.
        

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