Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/343/
§■ 21- 
METHODEN DER PHOTOMETRIE. 
331 
des weissen Schirms. Die Röhre wird nun so gestellt, dass die beiden schwarzen Streifen 
gleich hell erscheinen, und der Winkel, unter dem die Röhre gegen die Glasplatte gerichtet 
ist, wird durch eine passend angebrachte Theilung gemessen. Man kann nun das einfallende 
oder das gespiegelte Licht allerlei anderen Einwirkungen unterwerfen, und wird dann im Allge¬ 
meinen einen anderen Winkel erhalten, unter dem gesehen die beiden Bilder gleich hell er¬ 
scheinen. Um aus diesem Winkel die stattfmdende Schwächung des Lichts berechnen zu 
können, muss vorher empirisch bestimmt sein, wie sich bei den verschiedenen Einfallswinkeln 
die durchgelassenen zu den gespiegelten Lichtmengen verhalten, wofür Arago ein besonderes 
Verfahren vorgeschlagen hat, welches darauf beruht, dass die beiden Strahlenbündel, welche 
ein doppeltbrechender Krystali giebt, gleich stark und jeder einzelne halb so stark sind, als 
der ungetrennte Strahl. Indem er so eines der beiden Strahlenbündel durch Doppelbrechung 
halbirt oder viertheilt, kann er die Stellungen ermitteln, wo das durchgelassene Licht das 
Viertel, die Hälfte, das Doppelte, das Vierfache des zurückgeworfenen ist und schliesslich 
durch Interpolation die betreffenden Verhältnisse auch für alle zwischenliegenden Winkel be¬ 
stimmen. 
Akago hatte noch ein anderes Princip zur Schwächung des Lichts vorgeschlagen, nämlich 
die Polarisation in doppeltbrechenden Krystallen zu benutzen. Lässt man vollständig polari- 
sirtes Licht von der Intensität I in einen solchen Krystali eintreten, und bildet die Polari¬ 
sationsebene des Lichts mit dem entsprechenden Hauptschnitte des Krystalls einen'Winkel cp, 
so erhält man durch die doppelte Brechung zwei Bündel, deren Intensität beziehlich I cos -cp 
und 1 sin -cp ist. Kann man den Winkel cp messen, so ist dadurch also auch unmittelbar das 
Verliältniss der Lichtstärke der gebrochenen Bündel gegeben. Die NicoLschen Prismen elimi- 
niren das eine Bündel ganz und lassen nur das andere bestehen. Hierauf beruht das Photo¬ 
meter von F. Bernard 1. Die beiden zu vergleichenden Strahlen werden parallel zu einander, 
jeder durch zwei drehbare NicoL’sche Prismen geleitet, und dann durch totale Reflexion in 
einem rechtwinkeligen Glasprisma parallel und dicht neben einander in das Auge des Beob¬ 
achters gelenkt, der ihre Intensität gleich zu machen sucht dadurch, dass er die Hauptschnitte 
der beiden Nicoi/schen Prismen, durch welche der stärkere Strahl geht, unter einem passen¬ 
den Winkel gegen einander stellt. Stammt das zu vergleichende Licht aus derselben Licht¬ 
quelle her, so kann man die beiden ersten NicoL’schen Prismen weglassen, und an ihrer 
Stelle ein doppeltbrechendes Prisma gebrauchen, welches das Licht der Quelle in zwei gleiche 
verschieden polarisirte Hälften spaltet. Sehr ähnlich im Princip ist das Photometer von Beer 
Die beiden Strahlenbündel kommen horizontal von rechts und links zum Instrumente, gehen 
jeder durch ein NicoL’sches Prisma, werden durch einen stählernen Doppelspiegel, der zwei 
unter 4ö 0 gegen den Horizont geneigte spiegelnde Flächen hat, vertical gemacht, und fallen 
durch einen dritten Nicol in das Auge des Beobachters. Dieser sieht vor sich ein kreis¬ 
förmiges Feld, dessen rechte und linke Hälfte den beiden refleetirenden Flächen des Doppel¬ 
spiegels entsprechen, und kann durch Drehung der Nicols die beiden Felder gleich hell 
machen. Aehnlich ist auch das Photometer von Zöllner 3. 
Babinet 4 hat zur Vergleichung der Lichtstärke zweier Strahlenbündel polarisirten Lichts 
ein Mittel benutzt, welches die Vergleichung ihrer Stärke ungemein erleichtert. Sein Photo¬ 
meter ist zunächst bestimmt, die Helligkeit von Gasflammen zu vergleichen. Eine Röhre läuft 
in zwei Schenkel aus, von denen der eine die Verlängerung der Röhre bildet, während der 
andere mit dieser einen Winkel von 70° einschliesst. Beide sind durch mattgeschliffene Glas¬ 
tafeln geschlossen. Am Scheitel des Winkels wird die Röhre von einem Satz Glasplatten 
durchsetzt, welcher den Winkel halbirt. Werden nun vor die beiden Röhrenenden Lichtquellen 
gesetzt, so tritt das Licht der einen Quelle in das-gemeinsame Röhrenstück, nachdem es von 
dem Glassatz durchgelassen und senkrecht gegen die Einfallsebene polarisirt ist, und das Licht 
der anderen Quelle, nachdem es reflectirt, und in der Einfallsebene polarisirt ist. Das ge- 
1 Annules de Chemie. ( 3 ) XXXV. 383—438. Casinos. II. 496 — 497 und 630 — 639. C. fi. XXXVI. 7ä8— 731. 
1 Pogg. Ann. LXXXYI. 78 - 88. 
s Photometrische Untersuchungen. Dissertât. Hasel 1859. 
1 6. II. XXXVII. 774.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.