Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/336/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDENGEN. 
§• 21. 
Punkts nach der Höhe grösser sind, als nach der Breite, erscheinen helle Quadrate 
auf dunklem Grunde in einer für die Accommodation etwas zu grossen Entfernung 
perpendicular verlängert, und schwarze Quadrate auf weissem Grunde horizontal 
verlängert. Die perpendiculäre Verlängerung weisser Quadrate sehen die meisten 
Personen auch hei genauer Accommodation, weil sie, wie es scheint, dann fiir die 
Verticallinien accommodiren. Dagegen erscheinen weisse Rechtecke, deren horizon¬ 
tale Seite etwas länger ist als die verticale, wie Quadrate. Nach den Versuchen von 
A. Fick 1 erschien einem geübten, nicht kurzsichtigen Auge bei 4500mm Abstand 
ein Rechteck von 22 Mm. horizontaler und 20 Mm. verticaler Seite als Quadrat, 
eines von 21 Mm. horizontaler und 20 Mm. verticaler Seite als vertical ver¬ 
längertes Rechteck. In anderen Augen, denen ein ferner Lichtpunkt dreistrahlig 
erscheint, machen sich auch in den anderen Fällen von Irradiation drei Haupt¬ 
richtungen bemerklich, in denen sie am stärksten ist, wie es Joslin 2 beschreibt. 
Ich habe in dem Vorstehenden den Namen der Irradiation nur auf diejenigen 
Fälle angewendet, wo man nicht die Zerstreuungskreise als solche wahrnimmt, son¬ 
dern wo sich scheinbar die Fläche, welche die volle Beleuchtungsstärke hat, ver- 
grössert. Indessen ist in neuester Zeit der Name der Irradiation auf die Bildung 
der Zerstreuungskreise überhaupt angewendet worden, auch wo man diese als 
lichtschwächere Theile des Bildes erkennt. Es ist aber wohl unnöthig, auf diese 
Fälle einen besonderen neuen Namen anzuwenden. Es können übrigens auch 
durch die Zerstreuungskreise neue Begrenzungslinien entstehen, welche das 
Object in veränderter Grösse erscheinen lassen, ohne dass die Lichtstärke noch 
einen besonderen Einfluss hätte. Namentlich hat Volkmann 3 gefunden, dass 
sehr feine schwarze Fäden auf weissem Grunde ebenso wie weisse auf dunklem 
Grunde für breiter gehalten werden, als sic sind, während die bisher betrachtete 
Art der Irradiation immer nur das Hellere vergrössert. Volkmann benutzte 
Fäden von 0,0445 Mm. Dicke in 333 Mm. Entfernung vom Auge, welche dem¬ 
gemäss dem Auge viel kleiner erscheinen mussten, als die kleinsten wahrnehm¬ 
baren Distanzen. Er hatte ein Schraubenmikrometer so einrichten lassen, dass 
die Fäden langsam einander genähert werden konnten, und stellte dem Experi- 
mentirenden die Aufgabe, die Fäden so zu stellen, dass der Zwischenraum ebenso 
breit sei, wie die Fäden. Alle Individuen machten aber den Zwischenraum zu 
breit, und zwar auch, wenn er hell war, und die Fäden dunkel. Volkmann 
giebt davon die Erklärung, dass man statt der schmalen schwarzen Streifen 
breitere graue Zerstreuungsbilder derselben sehe, denen man dann den mittleren 
hellen Zwischenraum gleich mache. Er benutzt deshalb auch diese Messungen, 
um die Breite der Zerstreuungsbildchen bei guter Accommodation zu bestimmen. 
Er selbst machte den Zwischenraum im Mittel gleich 0,207 Mm., während die 
Dicke der Fäden, denen derselbe gleich sein sollte, nur 0,0443 Mm. betrug, und 
berechnet daraus die Breite des Zerstreuungsbildes auf der Netzhaut gleich 
0,0035 Mm., bei anderen Personen bei hellem Hintergrund schwankt diese letztere 
Grösse zwischen 0,0006 und 0,0025. Diese Grössen sind kleiner als die kleinsten 
1 II en le und Pfeuffer. Zeitschrift für rationelle Medicin. Neue Folge II. S. 83. 
2 Pogg. Ann. LI. Ergänzbd. S. 107. 
3 Berichte der sächsischen Ges. d. Wiss. I857. S. 129—148.
        

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