Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/318/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 20. 
Man kann auf diese Weise auch Licht, welches durch farbige Gläser oder Flüssigkeiten 
gegangen ist, zur Mischung anwenden. Dazu macht man in der Platte l>c Oeffnungen, durch 
welche das Licht gelangt. So kann man auch das durch einen Spiegel reflectirte Licht des 
blauen Himmels mit dem von Chromgelb mischen, und sich -überzeugen, dass beide, wie 
Ultramarin und Chromgelb, ein röthliches Weiss geben, dass das Himmelblau also weisslicbes 
Indigblau ist, nicht aber dem weniger brechbaren Blau des Spectrum entspricht, welches wir 
Cyanblau genannt haben. 
Die zuletzt beschriebene Methode hat vor den Mischungen auf dem Farbenkreisel den 
Vorzug, dass die weisslichen Mischungen nicht grau, sondern weiss erscheinen. Die Einrichtung 
der Farbenkreisel wird in §. 22 näher beschrieben werden. Als weitere Methoden, farbiges 
Licht zusammenzusetzen, ist noch zu erwähnen ein Versuch von Volkmann, der durch gefärbte 
Gewebe, die er dicht vor das Auge hielt, nach farbigen Flächen hinsah. Die Mischung beider 
Farben wird aber schwer recht gleichmässig, und es kann auch die Durchsichtigkeit der Fäden 
stören, indem die Fäden theilweis wie ein farbiges Glas wirken, durch welches man eine 
farbige Fläche sieht. Czermak hat den ScHEiNER’schen Versuch benutzt, indem er durch 
einen Schirm mit zwei engen Oeffnungen sah, welche mit verschiedenfarbigen Gläsern bedeckt 
waren. So weit die Objecte einfach erscheinen, erscheinen sie auch in der Mischfarbe. 
Holtzmann lässt das diffus reflectirte Licht zweier farbigen Papiere auf weisses Papier fallen. 
Challis erwähnt Versuche, wie sie übrigens schon Mile angestellt hatte, hei denen Papiere, 
die mit Streifen verschiedener Farben versehen waren, aus solcher Entfernung betrachtet 
wurden, dass die Streifen einzeln nicht mehr erkannt werden konnten. Endlich hat Dove 
Methoden beschrieben, um Interferenz- und Absorptionsfarben zu mischen. Er benutzt dazu 
Spiegel, die aus farbigen Gläsern mit Silber belegt gebildet sind. Die vordere Fläche solcher 
Spiegel giebt polarisirtes weisses Licht, die hintere unpolarisirtes durch Absorption gefärbtes. 
Geht nun das so gemischte Licht durch eine Glimmerplatte und ein NicoL’sches Prisma, so 
bleibt das letztere Licht unverändert. Das polarisirte weisse Licht dagegen wird durch die 
Interferenz des ordentlichen und ausserordentlichen Strahls im Krystall so gefärbt, dass seine 
Farbe einer der Farbenstufen von Newton’s Ringsystemen entspricht. Beide Arten von Licht 
fallen vermischt in das Auge des Beobachters. 
Die Lehre von der Farbenmischung ging von den Erfahrungen der Maler über Mischung 
der Pigmente aus. Schon Plinius erwähnt, dass die älteren griechischen Maler mit vier 
Farbstoffen alles darzustellen gewusst hätten, während man zu seiner Zeit deren viel mehr 
besässe, und doch nicht so viel, wie jene, leistete. Und doch ist auch in dem berühmten 
Gemälde der Aldobrandinischen Hochzeit aus der Römerzeit der Aufwand von Farbstoffen 
sehr klein, wie Davy’s chemische Untersuchungen zeigten l. Leonardo da Vinci nennt 
ausser Schwarz und Weiss, welche jedoch nicht im eigentlichen Sinne Farben wären, vier 
einfache Farben, nämlich Gelb, Grün, Blau und Roth; sonst fordert er noch an einer anderen 
Stelle für die Malerei Orange (lionato) und Violett (morello, cioè pavonazzo). Dass Leonardo 
das Grün stets als einfache Farbe zählt, obgleich er weiss, dass es gemischt werden kann, 
widerspricht eigentlich seiner Definition der einfachen Farben als solcher, die nicht gemischt 
werden können. Sollte er bemerkt haben, dass das ungemischte Grün viel lebhafter ist als 
das gemischte? Die nachher gewöhnlich angenommenen drei Grundfarben Roth, Gelb und 
Blau findet man schon vor Newton’s Untersuchungen, als eine damals allgemein anerkannte 
wissenschaftliche Thatsache erwähnt in einem Versuch zur Classification der Farben und 
Farbstoffe von Waller. Darin, dass man drei Grundfarben ausreichend findet, liegt schon die 
Anerkennung der Thatsache, dass die Beschaffenheit des farbigen Lichtes eine Function nur 
dreier Variablen ist; auf die Wahl der Grundfarben, welche erst viel später Wünsch und 
Thomas Young zu ändern suchten, haben die Erfahrungen über gemischte Pigmente den ent¬ 
schiedensten Einfluss. Man meint aus Gelb und Blau Grün zusammensetzen zu können. Das 
ist richtig, wenn man es auf die Pigmente bezieht, aber nicht für farbiges Licht. 
Newton setzte zuerst farbiges Licht zusammen, und zwar das des prismatischen Spectrum, 
benutzte aber daneben für Aufstellung der Regel der Farbenmischung die Mischung farbiger 
Pulver, und legte auf die Abweichungen zwischen beiden, die ihm nicht ganz entgangen zu 
sein scheinen, kein grosses Gewicht, da ihm die experimentellen Hiilfsmittel noch fehlten, die 
Sache genauer zu verfolgen. Er erwähnt, dass aus stibflavum und cyaneum (d. h. grünlich 
1 Gilbert’s Annalen. LI1, 1.
        

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