Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/313/
§. -20. 
ANDERE THEORIEN DER FARBENMISCHUNG. 
301 
Grenzen des Gesichtsfeldes das Blau. So erklärte schon Purkinje, dass Purpur 
an der äussersten Grenze blau erscheine, wenn es weiter in das Gesichtsfeld 
hineinrückt, violett werde, endlich seine eigentliche Farbe erhalte. Ich selbst 
sehe ebenfalls Rosaroth an den Grenzen als bläuliches oder violettes Weiss. 
Am auffallendsten ist die zuletzt erwähnte Erscheinung bei Mischungen aus je 
zwei einfachen Farben. Wenn man z. B. nach der weiter unten zu beschreiben¬ 
den Methode ein kleines farbiges Feld mit einfachem Roth und Grünblau so be¬ 
leuchtet, dass es im directen Sehen weiss erscheint, so erscheint es indirect 
gesehen schon in geringer Entfernung vom Fixationspunkte grünblau. Es scheint 
nach diesen Versuchen, dass die Netzhaut am Rande gegen blaues und grünes 
Licht empfindlicher ist als gegen rothes. Sie nähert sich dort einigermassen 
dem Zustande der Rothblindheit. 
Dahin gehört auch wohl der Versuch vou Oppel 1, wonach ein orange- 
gelber Fleck auf blauem Grunde aus der Ferne heller erschien als der Grund, 
in der Nähe gesehen, wo das Blau mehr auf die Grenze des Gesichtsfeldes fiel, 
dunkler. 
Neben der von Th. Young aufgestellten Farbentheorie sind noch die Theorien 
der Farbenmischung zu erwähnen, die man direct aus der Undulationstheorie des 
Lichtes herzuleiten versucht hat, wie dies von Challis und Grailich geschehen 
ist. Namentlich hat dies der letztere in einer sehr mühsamen Arbeit auszuführen 
gesucht. Er untersucht die zusammengesetzte Schwingungsbewegung, welche der 
Aether annimmt, wenn er von zwei Wellenzügen verschiedener Schwingungsdauer 
erregt wird, und berechnet die Zeiten, während welcher die Aethertheilchen nach 
einer oder der anderen Seite aus ihrer Gleichgewichtslage entfernt sind. Diese 
Zeiten sind bei einer solchen zusammengesetzten Bewegung im Allgemeinen 
verschieden gross, während sie bei einer einfachen Farbe gleich gross sind. 
Grailich nimmt nun an, dass jede Entfernung der Aethertheilchen aus ihrer Gleich¬ 
gewichtslage nach einer Seite hin denselben Farbeneindruck hervorbringe, wie 
diejenige einfache Farbe, bei welcher die Entfernung aus der Gleichgewichtslage 
ebenso lange dauert. So erregt nun nach seiner Annahme die zusammengesetzte 
Wellenbewegung schnell hinter einander verschiedene Farbeneindrücke im Auge, 
welche sich zu einer einzigen Empfindung combiniren, die im Allgemeinen einer 
desto weisslicheren Farbe entspricht, je verschiedenere Empfindungen nach einander 
wechseln. Der Eindruck des Weiss selbst soll sich zusammensetzen aus den rasch 
abwechselnden Eindrücken der mittleren Töne des Spectrum vom Gelblichgrün bis 
Orange. Da nun bei den zusammengesetzten Wellen auch Perioden Vorkommen, 
welche ausserhalb der Grenzen des sichtbaren Spectrum liegen, so nimmt Grailich 
für diese an, dass sie den Eindruck des Purpur erzeugen. 
Die Rechnungen von Grailich sind durchgeführt für diejenigen Intensitäts- 
Verhältnisse, welche nach Fraunhofer’s Messungen die Farben im Flintglasspectrum 
haben, und stimmen, wenn man die beiden letzten Annahmen von Grailich zu- 
giebt, mit meinen Versuchen über Mischung von Spectralfarben, welche ich mit 
Hülfe des vförmigen Spaltes ausgeführt habe. Aber ich muss bemerken, dass bei 
diesen Versuchen keineswegs die unveränderte Helligkeit der Spectralfarben be¬ 
wahrt worden ist, sondern dass ich meist diejenigen Mischfarben zu erzielen ge¬ 
sucht habe, welche gleich weit entfernt von ihren beiden primären Farben sind 
In denjenigen Fällen nun, wo die Amplituden der beiden Farben verschieden 
1 Jahresbericht des Frankfurter Vereins. 1853 — 1854. p. 44 — 49.
        

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