Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/310/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§• 20. 
entspricht. Die Rothblindheit würde also nach Young’s Hypothese für eine 
Lähmung der rothempfindenden Nerven zu erklären sein. 
Wenn nun wirklich ein dem äussersten Roth des Spectrum nahe stehendes 
Roth die eine Grundfarbe ist, so können die beiden anderen wenigstens nicht 
bedeutend von dem von Young gewählten Grün und Violett abweichen. 
Daraus würde nun folgen, das die Rothhlinden nur Grün, Violett und ihre 
Mischung das Rlau empfinden. Das spectrale Roth, welches nur schwach die 
grünempfindenden, fast gar nicht die violettempfindenden Nerven zu erregen 
scheint, müsste ihnen danach als gesättigtes, lichtschwaches Grün er¬ 
scheinen, und zwar gesättigter als uns das wirkliche Grün des Spectrum er¬ 
scheint, dem schon merkliche Mengen der anderen Farben beigemischt sein 
müssen. Lichtschwaches Roth, welches die rothempfindenden Nerven der nor¬ 
malen Augen noch genügend erregt, erregt dagegen ihre grünempfindenden 
Nerven nicht mehr genügend, und erscheint ihnen deshalb schwarz. 
Spectrales Gelb wird als lichtstarkes gesättigtes Grün erscheinen, 
und da es eben die lichtstärkere und gesättigte Abstufung dieser Farbe bildet, 
erscheint es erklärlich, dass danach die Rothhlinden den Namen der Farbe 
wählen, und alle diese eigentlich grünen Töne-Gelb nennen. 
Grün wird schon im Vergleich zu den vorigen eine Einmischung von der 
anderen Grundfarbe zeigen, also eine zwar lichtstärkere aber weissliche Ab¬ 
stufung derselben Farbe sein wie Roth und Gelb. Die grösste Lichtintensität 
des Spectrum erscheint den Rothhlinden nach den Beobachtungen von Seebeck 
auch nicht wie normalen Augen im Gelb, sondern im Grünblau. In der That 
wenn die Erregung der grünempfindenden Nerven, wie wir voraussetzen müssen, 
im Grün am stärksten ist, wird für die Rothhlinden das Maximum der gesammten 
Erregung etwas nach der Seite des Blau fallen, weil hier die Erregung der 
violettempfindenden Nerven steigt. Weiss im Sinne der Rothhlinden ist natürlich 
eine Mischung ihrer beiden Grundfarben in einem bestimmten Verhältnis, welche 
uns grünblau erscheint, daher sie denn auch die Uebergangsstufen im Spectrum 
von Grün zu Blau für graue Farben erklären. 
Weiter im Spectrum gewinnt die zweite Grundfarbe das Uebergewicht, die 
sie Blau nennen, weil das Indigblau, wenn auch in ihrem Sinne noch etwas 
weisslich, noch durch seine Lichtstärke ihnen ein mehr in die Augen fallender 
Repräsentant dieser Farbe sein wird als das Violett. Sie erkennen den Unter¬ 
schied im Aussehen zwischen Blau und Violett. Der von Seebeck untersuchte 
H. wusste die Grenze zu zeigen, erklärte aber, er würde das Violett lieber 
Dunkelblau nennen. Uebrigens müssen ihnen die blauen Töne ziemlich ebenso 
erscheinen, wie den normalen Augen, weil hier auch für diese die Einmischung 
des Roth sehr klein sein wird. 
Da ihnen alle diese Farben des Spectrum noch gewisse, wenn auch feinere 
Unterschiede zeigen müssen, ist es erklärlich, dass sie bei grösserer Aufmerk¬ 
samkeit und Uebung auch wohl lernen, sehr gesättigte Farben richtig zu be¬ 
nennen. Bei weisslicheren Farben müssen aber die genannten Unterscheidungs¬ 
merkmale sie im Stich lassen, da können sie sich der Verwechselung nicht 
entziehen.
        

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