Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/294/
282 ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. §. 20. 
Andere Unterschiede der Qualität des Lichteindrucks existiren nicht. Man kann 
dieses Resultat in folgender Weise aussprechen: 
Der Farbeneindruck, den eine gewisse Quantität x beliebig ge¬ 
mischten Lichtes macht, kann stets auch hervorgebracht werden 
durch Mischung einer gewissen Quantität a weissen Lichtes und 
einer gewissen Quantität b einer gesättigten Farbe (Spectralfarbe 
oder Purpur) von bestimmtem Farbentone. 
Dieser Satz beschränkt die Menge der verschiedenartigen Farbeneindrücke, 
wenn sie auch noch unendlich gross bleibt, doch auf ein kleineres Maass, als 
wenn jede mögliche Combination verschiedener einfacher Lichtstrahlen einen 
besonderen Farbeneindruck gäbe. Wollen wir die objective Natur eines ge¬ 
mischten Lichts vollständig bestimmen, so müssen wir angeben, wieviel Licht 
von jeder Grösse der Wellenlänge darin ist. Da es nun unendlich verschiedene 
Wellenlängen giebt, ist die physikalische Qualität eines gemischten Lichts nur 
darzustellen als eine Function von unendlich vielen Unbekannten. Dagegen 
kann der Eindruck, den beliebig gemischtes Licht auf das Auge macht, 
immer dargestellt wefden als eine Function von nur drei Variablen, 
die in Zahlen ausgedrückt werden können, nämlich 1) der Quantität gesättigten 
farbigen Lichts, 2) der Quantität weissen Lichts, die gemischt dieselbe Farben¬ 
empfindung geben, 3) der Wellenlänge des farbigen Lichts. Dadurch gewinnen wir 
auch endlich ein Princip, wonach wir die Farben in eine systematische Ordnung 
bringen können. Abstrahirt man nämlich zunächst von den Unterschieden der Licht¬ 
stärke, so bleiben noch zwei Veränderliche übrig, von denen die Qualität der Farbe 
abhängt, nämlich der Farbenton und das Verhältnis des farbigen zum weissen Lichte, 
und wir können uns die Menge der Farben, wie die verschiedenen Werthe einer jeden 
Grösse, welche von zwei Variablen abhängt, in einer Ebene nach ihren zwei Dimen¬ 
sionen hin ausgebreitet denken. Die Reihe der gesättigten Farben ist in sich 
zurücklaufend, sie muss also auf einer geschlossenen Curve angebracht werden, 
für welche Newton einen Kreis, Fig. 114, wählte in dessen Mitte das Weiss steht. 
Auf den Verbindungslinien des Mittelpunktes mit 
den einzelnen Punkten der Peripherie sind die 
Uebergangsstufen zwischen dem Weiss und der 
an dem betreffenden Punkte der Peripherie stehen¬ 
den gesättigten Farbe anzubringen, so dass die 
weisslicheren unter ihnen dem Mittelpunkte, die 
gésâttigteren der Peripherie näher stehen. So 
erhält man eine Farbentafel, die alle möglichen 
Arten gleich lichtstarker Farben in ihren conti- 
nuirliclien Uebergängen geordnet darbietet. Wollte 
man auch noch die verschiedenen Grade der 
Lichtstärke der Körperfarben berücksichtigen, so 
müsste man, wie Lambert es that, noch die 
dritte Dimension des Raums zu Hülfe nehmen, und zwar kann man die dunkelsten 
Farben, bei denen die Zahl der unterscheidbaren Töne immer geringer wird, 
endlich in eine Spitze, dem Schwarz entsprechend, zusammenlaufen lassen. So 
Fig. H4.
        

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