Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/287/
§. 20. 
DIE MISCHUNG VON FARBSTOFFEN. 
275 
fast alle das Gelb ungeschwächt, gut auch noch Roth und Grün, schlechter Blau 
und Violett hindurch. Unter solchen Umständen wird durch eine Mischung 
einer gelben und blauen Flüssigkeit meistentheils das Grün am besten hindurch¬ 
gehen, weil die blaue Flüssigkeit die rothen und gelben, die gelbe Flüssigkeit 
die blauen und violetten Strahlen zurückhält. Es ist eine Wirkung derselben 
Art, als wenn man Licht durch zwei verschiedenfarbige Glasplatten hinter ein¬ 
ander gehen lässt, wodurch es immer viel mehr geschwächt wird, als wenn 
es durch zwei Platten gleicher Farbe gegangen ist. Aber es ist klar, dass hier¬ 
bei keine Summation des Lichtes stattfindet, welches jede einzelne Flüssigkeit 
für sich hindurchlässt, sondern im Gegentheil eine Art von Subtraction, inso¬ 
fern die gelbe Flüssigkeit von den durch die blaue gegangenen Strahlen noch 
alle die wegninmit, welche in ihr der Absorption verfallen. Daher sind auch 
Mischungen farbiger Flüssigkeiten in der Regel viel dunkler als jede einzelne 
Flüssigkeit für sich. 
Bei den pulverigen Farbstoffen verhält es sich ganz ähnlich. Wir müssen 
jedes einzelne Pulvertheilchen eines Farbstoffes als ein kleines durchsichtiges 
Körperchen betrachten, welches das Licht durch Absorption färbt. Allerdings 
ist das Pulver solcher Farbstoffe im Ganzen genommen in hohem Grade undurch¬ 
sichtig. Indessen wo wir Gelegenheit haben, Farbstoffe in zusammenhängenden 
Massen von gleichmässig dichter Structur zu sehen, finden wir sie wenigstens 
in dünnen Blättern durchsichtig. Ich erinnere an den krystallisirten Zinnober, 
Grünspan, Chromblei, das blaue Kobaltglas u. s. w., welche wir in fein pulverigem 
Zustande als Farbstoffe benutzen. 
Wenn nun Licht auf ein solches aus durchsichtigen Theilen bestehendes 
Pulver fällt, wird ein kleiner Theil an der oberen Fläche reflectirt, der Rest 
dringt ein, und wird erst von den tiefer liegenden Begrenzungsflächen der 
Pulvertheilchen zurückgeworfen. Eine einzelne Tafel von weissem Glase reflectirt 
von senkrecht einfallendem Lichte y28, zwei solche V13, eine grosse Zahl fast 
alles. Bei Pulver aus weissem Glase müssen wir folglich schliessen, dass bei 
senkrechter Incidenz ebenfalls nur y25 des auffallenden Lichts von der obersten 
Schicht reflectirt wird, das übrige von den tieferen Schichten. Ebenso muss 
es sich für blaues Licht bei blauem Glase verhalten. Es wird also bei farbigen 
Pulvern stets nur ein sehr kleiner Theil des Lichtes, welches sie geben, von 
der obersten Schicht reflectirt, bei weitem das meiste aus tieferen Schichten. 
Das von der obersten Fläche reflectirte Licht ist weiss, wenn die Reflexion 
nicht eine metallische ist, erst das aus den tieferen Flächen zurückkehrende 
ist durch Absorption gefärbt, um so tiefer, je länger sein Weg in der Substanz 
gewesen ist. Daher ist auch gröberes Pulver desselben Farbstoffs dunkler ge¬ 
färbt als feineres. Bei der Reflexion kommt es nämlich nur auf die Zahl der 
Oberflächen an, nicht auf die Dicke der Theilchen. Sind letztere grösser, so muss 
das Licht einen längeren Weg in der Substanz zurücklegen, um die gleiche 
Menge reflectirender Oberflächen zu treffen, als wenn sie kleiner sind. Die Ab¬ 
sorption der absorbirbaren Strahlen ist also in einem groben Pulver stärker, 
als in einem feineren. Jenes hat eine dunklere und gesättigtere Farbe als 
letzteres. Die Reflexion an den Oberflächen der Pulvertheilchen wird geschwächt, 
18*
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.