Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/270/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§■ 4 9. 
rohr für die Entfernung des wirklichen Objects einrichten. NN enn man aber das Prisma 
dann um eine der brechenden Kante parallele Axe dreht, muss man auch die Ein¬ 
richtung des Auges oder Fernrohrs passend abändern. Nur wenn das Object un¬ 
endlich weit entfernt ist, ist auch das Bild unendlich weit entfernt, und die Einrich¬ 
tung des Auges oder Fernrohrs kann für jede Stellung des Prisma dieselbe bleiben. 
° \venn der leuchtende Gegenstand eine verticale helle Linie ist. welche ein¬ 
farbiges z B rothes Licht aussendet, so ist ihr Bild, wie es durch ein vertical 
stehendes Prisma erscheint, wieder eine verticale Linie. Geht von der leuchten¬ 
den Linie auch noch violettes Licht aus, so entwirft das Prisma auch mittels der 
violetten Strahlen ein Bild, welches eine verticale Linie ist, die aber weiter ent¬ 
fernt von dem leuchtenden Objecte ist, als die rothe Linie, weil das violette Licht 
stärker gebrochen wird. Geht endlich von der leuchtenden Linie Licht von allen 
Graden der Brechbarkeit aus zwischen Roth und Violett, so entspricht jedem 
einzelnen Grade der Brechbarkeit ein besonderes Bild der verticalen Linie und diese 
linienförmigen Bilder reihen sieh zwischen dem rothen und violetten Bilde ein in 
der Ordnung ihrer Brechbarkeit, und bilden ein Spectrum von rechteckiger Gestalt. 
Sind in dem Lichte des leuchtenden Objects Strahlen von allen continuirlich in ein¬ 
ander übergehenden Graden der Brechbarkeit enthalten, so bildet auch das Spectrum 
eine continuirlich leuchtende Fläche. Fehlen einzelne Stufen der Brechbarkeit,, so 
fehlen auch im Spectrum die entsprechenden linienförmigen Bilder, und man sieht 
an ihrer Stelle dunkle verticale Linien das Spectrum durchziehen, die Frauxhofer'- 
schen Linien. 
Scheinbare Breite der prismatischen Bilder. 
Da man nun leuchtende geometrische Linien nicht herstellen kann, sondern bei 
den Versuchen immer schmale leuchtende Flächen als Objecte benutzen muss, so 
haben auch deren Bilder eine gewisse Breite, welche wir jetzt bestimmen wollen. 
Nennen wir wieder f und e, Einfalls- und Brechungswinkel an der ersten. 
rt und t] Einfalls - und Brechungswinkel an der zweiten Fläche, so dass die NVinkel 
e‘ und rn innerhalb des Prisma liegen, den brechenden NVinkel selbst q, so ist 
sin e = n sin e, ) 
sin;, = n sin rn .........12). 
Vi + f, = fP ) 
Nun sei der Spalt sehr weit entfernt und der sehr kleine Gesichtswinkel, unter 
dem er vom Orte des Prisma aus gesehen wird, sei de, so dass der Einfallswinkel 
des Lichtes vom einen Rande des Spalts e, vom anderen e -4-de sei. Die NVinkel 
f , Tjj und 7] werden für diesen letzteren Strahl beziehlieh e, -+- df,, -+- drn und 
y _l_ drt. Aus den obigen Gleichungen 12) folgt dann durch Differentiiren : 
cos t de = 7i cos f, d e1 
cos 7] di] — n cos 7;j d>n 
dq, —f- de, — 0. 
Durch Elimination von de, und dt], erhält man 
- C0S* -C0S^ = dt,.......12a), 
COS 7) • cos f, 
dr, ist der Gesichtswinkel, unter dem der Spalt nach der Brechung im Prisma er¬ 
scheint; seine Grösse ist durch diese Gleichung gegeben. Geschieht diese Brechung 
im Minimum der Ablenkung, so dass 
e = rn fj =
        

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