Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/26/
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ANATOMISCHE BESCHREIBUNG DES AUGES. 
§• 3. 
der Iris netzförmig mit einander verbunden nach innen, wo sie sich in den Ring¬ 
muskel verlieren. 
Das Stroma der Iris ist Bindegewebe ; hinten ist sie von der Piginentzellen- 
schicht, vorn von einem Epithelium bedeckt. Auch ihr Stroma enthält oft Pigment¬ 
zellen; dann ist ihre Farbe braun, sonst erscheint sie als ein trübes Medium 
vor dem dunklen Pigmente blau. 
Das Verhalten der Gefässe der Uvea bietet vieles Eigenthümliche. Ich habe 
schon angeführt, dass die Gefâssè den grössten Theil der Masse dieses Systems aus- 
machen. Ihre zuführenden Arterien ( Arteriae ciliares posticae breves für die Aderhaut 
und Ciliarfortsätze, posticae Inngae und anticae für die Iris) treten durch die Sclerotica 
ein, und communiciren mit den Venen nicht blos, wie es in anderen Theilen des 
Körpers der Fall ist, durch ein feines Capillargefässnetz, sondern auch durch ziemlich 
weite Verbindungsröhren, welche auf der Aderhaut in zierlich geordneten Bögen 
wedelförmig aus den Arterien entstehen, und sich wieder zu Venen ( Venae vorticosae) 
sammeln. Die Arteriae ciliares posticae breves, efwa 20 Aestchen, durchbohren die 
Sclerotica an ihrem hinteren Theile, laufen, sich fortdauernd gabelförmig spaltend, 
nach vorn, und geben ihr Blut theiis durch das Capillargefässnetz, welches, so weit 
die Netzhaut reicht, an der inneren Seite der Aderhaut unter den Pigmentzellen liegt, 
theiis durch die weiten Verbindungsäste der Vortices an die Venen ab, welche theiis 
(Vasa vorticosa) am Aequator des Augapfels, theiis (Venae ciliares posticae) am hinteren 
Theile durch die Sclerotica austreten. Ein grosser Theil der Aeste dieser Arterien 
läuft aber nach vorn in die Ciliarfortsätze und bildet in diesen ein Gefässknäuel, 
dessen rückkehrende Aeste in die vorderen Bögen der Vortices übergehen. Das 
Gefässnetz der Iris hängt theiis mit dem der Ciliarfortsätze zusammen, zum grössten 
Theile empfängt es aber sein Blut aus besonderen Stämmen, die theiis hinten durch 
die Sclerotica treten (Art. ciliares posticae longae) und zwischen Aderhaut und Sehnen¬ 
haut nach vorn bis zum Ciliarmuskel verlaufen, theiis auch vorn eintreten (Art. ci¬ 
liares anticae). Sie "bilden in der Iris zwei anastomosirende Gefässkränze, den einen 
(Circulus arteriosus Iridis major) am peripherischen Rande, den anderen (Circ. arter. 
minor) nahe dem Pupillarrande. An der Stelle des letzteren ist die Iris am dicksten, 
und bildet auf ihrer vorderen Fläche einen Vorsprung. 
Am unverletzten Auge sieht man die Iris durch die Hornhaut. Durch die Wirkung der 
Strahlenbrechung erscheint sie der Hornhaut näher, also mehr nach vorn gewölbt, als sie es 
in Wirklichkeit ist. Wenn man dagegen das Auge einer Leiche unter Wasser bringt, dessen 
Brechungsvermögen dem der wässrigen Feuchtigkeit ziemlich gleich ist, so fällt die Strahlen¬ 
brechung an der Hornhaut fast ganz weg, und man sieht die Iris in ihrer natürlichen Lage, 
wo sie schwach oder nur wenig gewölbt erscheint. Um am lebenden Auge eine richtige An¬ 
schauung von der Iris zu erhalten, hat J. Czerjiak 1 ein Instru¬ 
ment angegeben unter dem Namen Orthoskop, welches im 
Wesentlichen eine kleine Wanne mit Glaswänden ist, die an 
das Gesicht so angesetzt wird, dass das Auge die Hinterwand 
derselben bildet, und dann voll Wasser gegossen wird. Das in 
Fig. 4 abgebildete Instrument hat eine untere Wand fcl) und eine 
innere (der Nase zugekehrte) gab aus Metallblech gebildet. Beide 
sind am freien Rande passend ausgeschnitten, um sie au das Ge¬ 
sicht ansetzen zu können. Die vordere Wand a l> c d und die äus¬ 
sere c cl e f sind aus ebenen Glasplatten gebildet. Um den Rand 
des Instruments wasserdicht an das Gesicht ansetzen zu können, empfiehlt Czerjiak geknetete 
Brodkrume an das Gesicht anzulegen und den Rand des Instruments hineinzudrücken. Das Auge 
1 Prager Vierteljahrsschrift für prakt. Heilkunde. 1851. Bd. XXXII. S. loi.
        

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