Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/224/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§■ 18. 
über einer weissen Papierfläche einen festen Standpunkt, und zeichne zuerst auf 
dem Papier ein Kreuzchen als Fixationspunkt für das Auge. Dann führe man die 
in Tinte getauchte Spitze einer weissen oder mindestens hell gefärbten Feder auf 
dem Papiere in die Projection des blinden Flecks hinein, so dass die schwarze 
Spitze verschwindet, und schiebe sie dann von dessen Mittelpunkte aus nach ein¬ 
ander in den verschiedenen Richtungen gegen die Peripherie des Flecks vor, und 
zeichne die Grenze auf, wo sie anfängt sichtbar zu werden. In dieser Weise habe 
ich in Fig. 104 den blinden Fleck meines rechten Auges, bezogen auf den Fixations¬ 
punkt a, dargestellt. AB ist der dritte 
Theil der zugehörigen Entfernung des 
Auges von der Papierfläche. Man sieht, 
dass die Gestalt des Fleckes eine unregel¬ 
mässige Ellipse ist, an der ich selbst wie 
Hueck die Anfänge von den stärkeren 
Gefässstämmen erkennen kann, welche 
austreten. Wenn man einen kleinen 
schwarzen Fleck auf das Papier macht, 
und nach .einander verschiedene Gesichts- 
Fig. 101. 
wenn man nach Coccius sich die Richtung der 
punkte fixirt, so findet man noch, dass 
die Fortsetzungen der Gefässe weit in das Feld der Netzhaut hinein blinde Stellen 
sind. Am leichtesten gelingt di 
Gefässstämme im eigenen Auge schon aufgesucht hat. 
Bezeichnen wir die Entfernung des Auges vom Papier mit f, die Entfernung 
des zweiten Knotenpunkts von der Netzhaut, welche im Mittel 15 Mm. beträgt, 
mit F, den Durchmesser des blinden Flecks in unserer Zeichnung, oder irgend eine 
andere lineare Grösse in der Zeichnung mit d, die entsprechende Grösse auf der 
Netzhaut mit D, so haben wir 
L 
F 
d 
~D’ 
woraus wir D berechnen können. Will man sich bei einer solchen Messung von 
der Grösse F, welche für das individuelle Auge nie ganz genau bestimmt werden 
kann, unabhängig machen, so misst man besser den Gesichtswinkel, d. h. den 
Winkel zwischen den Richtungslinien (siehe S. 69), welche den verschiedenen 
Punkten der Zeichnung entsprechen. Wenn wir voraussetzen dürfen, die auf den 
Punkt « der Fig. 104 gerichtete Gesichtslinie sei senkrecht zur Ebene der Zeichnung 
und die Entfernung ad mit ß bezeichnen, den Gesichtswinkel, unter dem ad er¬ 
scheint, mit a, so ist 
-j — tga, 
woraus a berechnet werden kann; ebenso ist der Gesichtswinkel zwischen a und 
jedem anderen Punkte der Zeichnung zu finden. Folgendes sind die Resultate, 
welche verschiedene Beobachter in dieser Weise erhalten haben : 
1) Scheinbarer Abstand des Gesichtspunktes von dem ihm nächsten Theile des 
Randes des blinden Flecks: Listing 1 12° 37',5; Helmholtz 12° 25'; 
Th. Young 12° 56'. 
2) Scheinbarer Abstand des entferntesten Theils des Randes: Listing 18° 33',4; 
Helmholtz 18° 55'; Th. Young 16°,1'. 
1 Berichte der Königl. sächs. Ges. der Wiss. 1852. S. 119. Ebenda die Beobachtungen von E. II. Weber.
        

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