Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/216/
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMPFINDUNGEN. 
§. -17. 
(Silber) in den Mund bringt, wobei also der Sehnerv von der positiven Elektrici- 
tät in aufsteigender Richtung durchflossen wird. Ich bemerke hierbei, dass 
mir selbst die Versuche mit der einfachen Kette, wahrscheinlich wegen zu 
geringer Reizbarkeit meines Auges, nie gelungen sind. Dagegen sind die Licht¬ 
blitze sehr glänzend, wenn man eine kleine galvanische Säule von etwa zwölf 
Elementen benutzt. Wählt man eine Batterie von constanter Stromesstärke, z. B. 
von Damki.t,'sehen Elementen, so findet man, dass der Schliessungsblitz bei 
aufsteigender Stromesrichtung, der Oeffnungsblitz bei absteigender stärker ist. 
Aehnliche Unterschiede der Wirkung je nach der Richtung des Stroms sind 
auch für die Muskelnerven bekannt, sie sind dort aber auch von der Stärke 
des angewendeten. Stroms abhängig. 
Um die dauernde Wirkung eines gleichmässig anhaltenden Stroms 
wahrzunehmen, brauchen wohl die meisten Augen eine kleine Säule, obgleich 
Ritter auch diese mit der einfachen Kette wahrgenommen hat. Um die Blendung 
des Auges durch Lichtblitze und das unangenehme Muskelzucken bei Oeffnung 
urld Schliessung des Stroms zu vermeiden, finde ich cs vortheilhaft, am Rande 
des Tisches, neben welchen sich der Experimentirende hinsetzt, zwei mit Pappe, 
die mit Saizwasser getränkt ist, umwickelte Metallcylinder hinzulegen, die mit 
den beiden Polen einer DANiELL’schen Batterie von 12 bis 24 Elementen ver¬ 
bunden sind. Man stützt zuerst die Stirne fest auf einen der Cylinder und berührt 
dann mit der Hand den anderen, wobei man durch langsames Anlegen der Hand 
erreichen kann, dass die Wirkungen der Stromesschwankung sehr gering sind, 
dann nach Belieben wieder öffnen oder schliesscn kann. Die Stromesrichtung lässt 
sich wechseln, indem man die Stirn bald auf den einen, bald auf den anderen 
Cylinder legt. Das Auge ist hierbei auch keinem Drucke ausgesetzt, worauf 
wohl zu achten ist, 
Wenn ein schwacher aufsteigender Strom durch den Sehnerven geleitet 
wird, wird das dunkle Gesichtsfeld der geschlossenen Augen heller als vorher 
und nimmt eine weisslich violette Farbe an. In dem erhellten Felde erscheint 
in den ersten Augenblicken die Eintrittsstelle des Sehnerven als eine dunkle 
Kreisscheibe. Die Erhellung nimmt schnell an Intensität ab, und verschwindet 
ganz bei der Unterbrechung des Stroms, die man bei langsamer Lösung der 
Hand von dem zweiten Cylinder ohne Lichtblitz ausführen kann. Dafür tritt 
nun, im Gegensatz zu dem vorausgegangenen Blau, mit der Verdunkelung des 
Gesichtsfeldes auch eine röthlich gelhe Färbung des Eigenlichts der Netzhaut ein. 
Bei der Schliessung der entgegengesetzten, absteigenden Stromesrichtung 
tritt der auffallende Erfolg ein, dass das nur mit dem Eigenlicht der Netzhaut 
gefüllte Gesichtsfeld im Allgemeinen dunkler wird als vorher, und sich etwas 
röthlich gelb färbt; nur die Eintrittsstelle des Sehnerven zeichnet sich als eine 
helle blaue Kreisscheibe auf dem dunkeln Grunde ab, von welcher Scheibe 
häutig auch nur die der Mitte des Gesichtsfeldes zugekehrte Hälfte erscheint. 
Bei Unterbrechung dieser Stromesrichtung wird das Gesichtsfeld wieder heller 
und zwar bläulichweiss beleuchtet, und der Sehnerveneintritt erscheint dunkel. 
Die bei absteigender Stromesrichtung eintretende Verdunkelung des Ge¬ 
sichtsfeldes lässt erkennen, dass wir es bei diesen Versuchen nicht, oder
        

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