Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/179/
§. 16. 
DAS AUGENLEUCHTEN. 
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hat, zunächst in der Richtung des Spiegelbildes a zurück, trifft wieder auf die 
spiegelnde Platte, wo ein Theil nach dem wirklichen Lichte hin zurückgeworfen 
wird, während ein anderer durch die Platte geht und seinen Weg nach dem Orte 
des Spiegelbildes hin fortsetzt. Hier kann es nun von dem Auge des Beobachters B 
aufgefasst werden. Dieser sieht bei der beschriebenen Anordnung das beobachtete. 
Auge leuchten. 
Statt der unbelegten Glasplatte kann auch ein belegter Glasspiegel oder 
Metallspiegel gebraucht werden, mit einer engen Oeffnung, durch welche der 
Beobachter sieht. 
Wenn der Beobachter unter diesen Umständen nun auch den Hintergrund 
des beobachteten Auges erleuchtet sieht, so kann er doch in der Regel nichts 
im Hintergründe dieses Auges erkennen, weil er sein Auge für das Bild, welches 
die Augenmedien vom Hintergründe des Auges entwerfen, nicht acconnnodiren 
kann. Zu dem Ende müssen noch passende Glaslinsen hinzugenommen werden. 
Die Zusammenstellung eines Beleuchtungsapparates mit solchen Glaslinsen giebt 
ein Instrument, Augenspiegel, mittels dessen man die Bilder auf der Netz¬ 
haut und die Theile der Netzhaut eines fremden Auges deutlich sehen und unter¬ 
suchen kann. 
Brücke hat. auf einen eigenthümlichen Nutzen aufmerksam gemacht, den die 
Schicht der stabförmigen Körperchen bei der Zurückwerfung des Lichts an der Netz¬ 
haut haben muss. Diese Körperchen sind kleine Cylinder, 0,030 Mm. lang, 0,0018 Mm. 
dick, von einer stark lichtbrechenden Substanz gebildet, welche palissadenartig dicht 
neben einander gedrängt die der Aderhaut zugekehrte letzte Schicht der Netzhaut 
bilden. Die Axe derer, welche im Hintergründe des Auges die Netzhaut bedecken, 
ist gegen die Pupille hin gerichtet, und alles einfallende Licht tritt deshalb in diese 
Körperchen nahehin ihrer Axe parallel ein. Da nun Licht, welches innerhalb eines 
dichteren Mittels fortschreitend unter einem sehr grossen Einfallswinkel auf die Grenze 
eines weniger lichtbrechenden Mediums trifft, total reflectirt wird, so können wir 
schlossen, dass das Licht, welches in ein stabförmiges Körperchen einmal einge¬ 
treten ist, dieses meist nicht wieder verlässt, sondern, wenn es irgendwo auf die 
cylindrische Begrenzungsfläche des Körperchens treffen sollte, hier grösstentheils nach 
innen reflectirt wird. Wenn wir die Brechkraft der stabförmigen Körperchen bei¬ 
spielsweise gleich der des Oels (1,47), die ihrer Zwischensubstanz gleich der des 
Wassers setzen (1,33), so werden Strahlen, die unter« einem Winkel kleiner als 
250 gegen ihre Fläche fallen, total reflectirt, während die von der Pupille etwa 
nur unter einem Winkel von 8° auffallen. Ist das Licht endlich an dem äusseren 
Ende des Körperchens angekommen, und wird hier ein Theil von der Aderhaut diffus 
zurückgeworfen, so wird dieser wieder hauptsächlich durch dasselbe Körperehen 
zurückkehren müssen. Was von dem Lichte dann unter einem grösseren Winkel 
gegen die Axe des Körperchens verläuft, wird allerdings das Körperchen auch ver¬ 
lassen können, aber nur nach oft wiederholten Reflexionen an den Grenzen der 
nächsten Körperchen bis in den Glaskörper dringen können. Solches Licht dagegen, 
welches nahe parallel der Axe der Körperchen zuriickgeht, wird nur eine oder 
wenige totale Reflexionen erleiden, daher wenig geschwächt sein, wenn es das 
Körperchen verlässt, dann aber auch die Richtung nach der Pupille haben und durch 
diese austreten. Diese Function der Körperchen scheint namentlich bei denjenigen 
Thieren, welche statt der Schicht schwarzer Pigmentzellen auf der Aderhaut eine 
stark reflectirende Fläche (Tapetuni) haben, von Wichtigkeit zu sein. Einmal wird
        

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