Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/173/
§• -15. 
ORTSBESTIMMUNG DER ENTOPTISCHEN OBJECTE. 
161 
0,22 Mm. dick ist, lässt sich annehmen, dass der Kernschatten der Gefässe nicht 
bis zur hinteren Fläche der Netzhaut reichen wird. Wenn wir aber eine enge 
Oeffmmg vor die Pupille bringen, wird der Schatten der Gefässe nothwendig 
schmaler, schärfer begrenzt, der Kernschatten länger, so dass Theile der Netz¬ 
haut, die sonst im Halbschatten lagen, theils in den Kernschatten kommen, theils 
mit den unbeschatteten Theilen gleich stark erleuchtet werden. 
Dass wir beim gewöhnlichen Sehen die Gefässschatten nicht wahrnehmen, 
erklärt sich wohl daraus, dass die Empfindlichkeit der beschatteten Stellen der 
Netzhaut grösser, ihre Reizbarkeit weniger erschöpft ist als die der übrigen 
Theile der Netzhaut, Sobald wir aber den Ort des Schattens oder seine Aus¬ 
breitung verändern, wird derselbe wahrnehmbar, weil die schwache Beleuchtung 
nun auf ermüdete, weniger reizbare Netzhautelemente fällt. Der reizbarere, früher 
beschattete Theil der Netzhautelemente dagegen wird nun zum Theil von vollem 
Lichte getroffen, und empfindet dies stärker. Daher erklärt sich, dass zuweilen, 
namentlich im Anfänge der Versuche, der Gefässbaum für Augenblicke auch wohl 
hell auf dunklerem Grunde erscheint, und überhaupt bei manchen Personen der 
helle Theil der Erscheinung die Aufmerksamkeit mehr auf sich lenken kann als 
der dunkle. Sobald der Schatten der Gefässe indessen bei unseren Versuchen 
seine neue Stelle dauernd behauptet, werden die neu beschatteten Stellen allmälig 
reizbarer, die früher beschatteten scheinen dagegen ihre erhöhte Reizbarkeit 
schnell zu verlieren, und die Erscheinung verschwindet wieder. Um sie dauernd 
zu sehen, ist es also nöthig, den Ort des Schattens stets wechseln zu lassen, 
und bei geradlinigen Bewegungen der Lichtquelle bleiben nur die Gefässe sicht¬ 
bar, deren Schatten den Platz wechselt. Auf diese Veränderungen der Reizbar¬ 
keit kommen wir in §. 25. unten noch näher zurück. 
Um zu entscheiden, ob die entoptisch gesehenen Objecte vor oder hinter der Pupille 
oder etwa nahe der Netzhaut liegen , dazu ist die Beachtung der Parallaxe nach Listing’s Vor¬ 
schlag ausreichend. Es sei a Fig. 87 das von den Augenmedien ent¬ 
worfene Bild des leuchtenden Punktes c der Punkt des directen Sehens 
auf der Netzhaut, f e die Ebene der Pupille oder vielmehr deren von 
der Linse entworfenes Bild, welches indessen nur wenig von seinem 
Objecte abweicht. Endlich sei d ein dunkles Object hinter der Pupille. 
Wenn die Linie a c die Pupille in g schneidet, so fällt der Schatten des 
Punktes g auf den Punkt des directen Sehens c, also g entspricht dem 
direct gesehenen Punkte des entoptischen Bildes der Pupille. Ziehen 
wir die gerade Linie ad, und verlängern sie, bis sie die Netzhaut in b 
schneidet, so ist b der Ort des Schattens von d. Nennen wir den 
Durchschnittspunkt der Linie a d mit der Pupillarebene h, so fällt die 
Projection des Punktes h der Pupille gleichzeitig auf b; d und h decken 
sich im entoptischen Gesichtsfelde. Wenn in der Linie a b auch noch 
vor der Pupille ein Object i liegt, so deckt sich dieses ebenfalls mit h 
im entoptischen Gesichtsfelde. 
Wenn nun aber das Auge oder der leuchtende Punkt so bewegt 
wird, dass ein anderer Punkt der Pupille, etwa f, entoptisch direct ge¬ 
sehen wird, der leuchtende Punkt etwa nach a in die Verlängerung der Linie cf rückt, so 
verändert sich auch die Lage des Schattens von d und i gegen den der Pupille. Ziehen wir 
a d und a i. Ersteres schneide die Ebene der Pupille in m, letzteres verlängert in e, so sind 
m und e die Punkte der Pupille, deren entoptische Bilder sich mit denen der Objecte d und » 
Encyklop. d. Physik. IX. Helmholtz , Physiol. Optik. 1 1
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.