Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39509/170/
158 
ERSTER ABSCHNITT. DIE DIOPTRIE DES AUGES. 
§. 15. 
entgegengesetzte Bewegungsart; sie entsteht also jedenfalls nicht in derselben 
Weise, wie die Gefässschatten entstehen, doch ist bisher der Bau des gelben 
Fleckes noch zu wenig bekannt, als dass wir den Grund dieser Erscheinung an¬ 
zugeben wüssten. Im Gesichtsfelde greift auf der dem Lichte abgekehrten Seite 
der Gefässbaum etwas über den Rand der chagrinirten Stelle, oben und unten 
scheint er den Rand nur zu berühren, dem Lichte zugekehrt ist ein Zwischen¬ 
raum zwischen beiden, gleichviel ob das Licht vom inneren oder äusseren Augen¬ 
winkel einfällt, Es ist dies wohl dadurch bedingt, dass die Gefässverzweigungen 
mehr nach vorn liegen als die Schicht, welche durch Brechung oder Zurück- 
werfung des Lichts das chagrinirte Aussehen erzeugt, und daher bei schief ein¬ 
fallendem Lichte der Schatten der Gefässflgur auf der Hinterfläche der Netzhaut 
nicht senkrecht unter den Gefässen liegt. Diejenige Structur, welche das chagri¬ 
nirte Ansehen hervorruft, scheint demnach ziemlich genau dieselbe Ausdehnung 
zu haben, wie die gefässtose Stelle der Netzhaut. 
2) Die zweite Methode zur Beobachtung der Netzhautgefässe ist folgende : 
Man blicke auf einen dunklen Hintergrund hin und bewege dabei unterhalb oder 
seitlich vom Auge ein brennendes Licht hin und her. Man sieht dann bald den 
dunklen Hintergrund von einem matten weisslichen Scheine überzogen, in welchem 
sich der dunkle Gefässbaum abzeichnet. Die Figur bleibt nur so lange deutlich, 
als man das Licht bewegt. Wenn man das Licht nur von rechts nach links be¬ 
wegt, erscheinen hauptsächlich die von oben nach unten verlaufenden Gefässe. 
wenn man es von oben nach unten bewegt, die horizontal verlaufenden. Bei 
den Bewegungen des Lichts bewegt sich gleichzeitig der ganze Gefässbaum, aber 
nicht in allen seinen Theilen gleichmässig. Meissner vergleicht sehr passend 
die Art der Bewegung des Gefässbaums hierbei mit dem Ansehen eines vom 
Wasser entworfenen Spiegelbildes, wenn Wellen darüber fortlaufen. Bei näherer 
Untersuchung der Erscheinung zeigt sich, dass, wenn abwechselnd das Licht gegen 
die Gesichtslinie hin und von ihr weg bewegt wird, der Gefässbaum im Gesichts¬ 
felde sich in gleicher Richtung wie das Licht verschiebt. Wenn aber das Licht 
in Richtung eines Kreisbogens bewegt wird, dessen Mittelpunkt in der Gesichts¬ 
linie liegt, verschiebt sich der Gefässbaum in entgegengesetzter Richtung. Wird 
also z. B. das Licht unter dem Auge gehalten 
und vertical nach oben und unten bewegt, so 
bewegt sich auch der Gefässbaum im Gesichts¬ 
felde mit dem Lichte zugleich nach oben und 
nach unten; wird es horizontal unter dem Auge 
von rechts nach links bewegt, so geht der Ge¬ 
fässbaum nach rechts, wenn das Licht nach links, 
und umgekehrt. 
Die inneren Aeste des Gefässbaums erschei¬ 
nen nicht in so grosser Feinheit der Zeichnung 
wie bei den beiden anderen Methoden. 
In der Mitte, dem Vlsirpunkte entsprechend, 
beschreiben mehrere Beobachter eine helle kreis¬ 
förmige oder elliptische Scheibe. Fig. 84 ist die
        

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