Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wissenschaftliche Kinematographie. Einschliesslich der Reihenphotographie
Person:
Liesegang, F. Paul Karl Kieser Oswald Polimanti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39508/286/
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Anwendung des Kinematographen in der Physik usw. 
(giftigen) Phosphors in roten (ungiftigen) durch das Licht; der 
Veränderungen, denen das Bromsilber im photographischen Pro¬ 
zess unterworfen ist (S i e d e n t o p f) ; der Schlangenbewegungen 
von Paraazozimtsäureäthylester (Sommerfeld). Die oszillatc- 
rischen Entladungen des elektrischen Funken wurden mittels 
besonderer Verfahren von Feddersen und Trowbridge, 
die des Blitzes von Weber und besonders Walter untersucht 
(vgl. S. 23—25). A. O c c h i a 1 i n i-Pisa analysierte die Vorgänge 
bei der Zündung des elektrischen Lichtbogens, indem er diesen 
durch eine rotierende Schlitzscheibe intermittierend auf eine mit 
lichtempfindlichem Papier bespannte iTrommel belichten Hess 
(Physikal Zeitschrift 13, 1912, Nr. 15). Ein dankenswertes Ob¬ 
jekt für die Funkenkinematographie ist nach Cranz die elek¬ 
trische Doppelbrechung; man müsste hier, um die Veränderungen 
der Inhomogenitäten des Körpers nachzuweisen, die Töplersche 
Schlierenmethode anwenden (vgl. auch „K.ie und Schlierenbe¬ 
obachtung“ von Br. Glatzel in „Film und Lichtbild“ 1914 
Nr. 6). Nach Schaum kann das kin. Verfahren zur Unter¬ 
suchung der zeitlichen Aenderungen des Spektrums dienen 
(Zeitschr. f. wiss. Photogr. 1911, S. 414). — A. G. Elderedge 
von der Universität Illinois, der in dem Kinematograph mit und 
ohne Mikroskop ein Forschungsinstrument von unschätzbarem 
Werte sieht, meint, es müsse mit den heutigen Apparaten gerade¬ 
zu möglich sein, die Bewegungen der Schallwellen photogra¬ 
phisch festzuhalten. „Eines Tages wird einer kommen, der die 
Bewegungen der Elektronen in einer Vakkuumröhre aufzeichnet; 
eine Grenze gibt es kaum mehr!“ (Prometheus 31, 136, 1920). 
Auch in der wissenschaftlichen Technik ist der Kinemato¬ 
graph vielfältiger Anwendung fähig. Fuchs brauchte den K. 
um bei einem Flammerbär den Dampfverbrauch per Kilogramme¬ 
ter Schlagarbeit zu bestimmen, und löste damit ein bisher ver¬ 
geblich bearbeitetes Problem. Er nahm gleichzeitig mit einem 
rotierenden Uhrzeiger einen am Flammerbär befestigten und auf 
einer Skala spielenden Zeiger auf und gelangte so zu Aufzeich¬ 
nungen der Hammerbärbewegungen, aus denen im Zusammen¬ 
hang mit den zugleich registrierten Dampfdrücken im Hammer¬ 
zylinder die Berechnung vorgenommen werden konnte. Sehr er¬ 
folgversprechend sind die Versuche, den K. zur Materialprüfung 
heranzuziehen. In Amerika hat man die fortlaufenden Veränderun¬ 
gen im Kristallgefüge, die ein Eisenstück beim Hin- und Her¬ 
biegen erleidet, mikrokinematographisch aufgenommen. Man 
glaubt durch solche Aufnahmen Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, 
ob ein Material z. B. erst 30o/o oder schon 90°o seiner nutzbaren 
Lebensdauer hinter sich hat. Dazu würde man eine bestimmte 
Stelle des Stückes, z. B. eines in Betrieb befindlichen Kabels, 
anschleifen und das mikroskopische Bild dieses Querschnittes
        

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