Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wissenschaftliche Kinematographie. Einschliesslich der Reihenphotographie
Person:
Liesegang, F. Paul Karl Kieser Oswald Polimanti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39508/225/
Der schwerentflammbare Film. 
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wieder auf das ursprüngliche Mass zusammen; aber man bedarf 
eben doch besonderer Massnahmen, die Sondervorrichtungen und 
Zeit und damit auch Geld kosten. 
Wo es aber darauf ankommt, in nicht für die Vorführung 
besonders hergerichteten Räumen, oder mit einem Personal zu 
arbeiten, das seltener mit Filmvorführungen beschäftigt ist, ist 
der schwerentflammbare Film durchaus am Platze und bietet ein 
Gefühl der Sicherheit, welches u. U. sehr wertvoll sein kann. 
In solchen Fällen wird auch die Ffaltbarkeit des Film nicht bis 
auf seine äusserste Grenze beansprucht werden, so dass die ge¬ 
ringere Haltbarkeit des schwerentflammbaren Film genügt. 
Der Grundstoff des schwerentflammbaren Film ist das Zellit; 
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eine Substanz, welche chemisch der Nitrozellulose auch nahe 
steht. Sie entsteht durch Einwirknug von ’Essigsäureanhydrit auf 
Baumwollzellulose ; man erhält Acetylzellulose, woraus durch Zu¬ 
fügung von Kampher oder von Kampherersatzmitteln das Zellit 
bereitet wird. Während Nitrozellose explosionsartig verbrennt, 
wenn sie entzündet wird, hat die Acetylzellulose kaum eine grö¬ 
ßere Verbrennungstendenz als Kautschuk oder Papier. Durch 
Zusätze — z. B. von Triphenylphosphat — kann die Verbrennlich¬ 
keit noch weiter herabgesetzt werden. Damit kompensiert man 
deshalb auch die Erhöhung der Verbrennlichkeit der Acetylzellu« 
lose im Zellit infolge des Zusatzes des leichtverbrennlichen Kam- 
phers. 
. Das Handbuch der praktischen K.ie teilt im Abschnitt über 
die Feuersgefahr bei kinematographischen Vorführungen aus¬ 
führlich mit, welche Massnahmen zu treffen sind, damit man in 
Fällen, wo der schwerentflammbare Film nicht verwandt wird, 
gefahrlos arbeiten kann. Hier sei nur noch erwähnt, dass der 
schwerentflammbare Film, wenn er im Bildfenster stehen bleibt, 
durch die Strahlen der Lampe nicht entzündet wird, sondern nur 
zusammenschmilzt, wobei ein leichter Rauch von brenzlichem 
Geruch aufsteigt; irgend eine Gefahr ist damit nicht vèrbunden. 
Man hat auch zahlreiche Versuche gemacht, Positivbilder 
auf Metallbändern oder anderen schwer oder nicht entzündbaren 
Materialien anzubringen. Häufig sind Gelatine und Gelatinekom¬ 
positionen vorgeschlagen oder versuchsweise verwendet wor¬ 
den. Aber bislang hat es noch keiner dieser Vorschläge zu irgend 
beachtlicher Bedeutung gebracht. In absehbarer Zeit wird der 
Zelluloidfilm nicht von seiner beherrschenden Stellung zu wei¬ 
chen haben und auch nur der Zellitfilm, oder diesem gleichar¬ 
tige Erzeugnisse, haben einige Aussicht auf gelegentliche An¬ 
wendung.
        

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