Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wissenschaftliche Kinematographie. Einschliesslich der Reihenphotographie
Person:
Liesegang, F. Paul Karl Kieser Oswald Polimanti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39508/202/
196 Die stereoskopische Kinematographie und sonstige Verfahren usw. 
gewonnene Bildreihe in die komplementäre Farbe gebracht, so- 
dass wir (wie bei den PetzokTschen Diapositiven) die beiden 
Teilbilder aufeinander haben. Man kann auch den Film beiderseits 
lichtempfindlich machen und die zwei Negative gleichzeitig da¬ 
rauf kopieren; doch muss dann eine undurchsichtige, nachher 
weglösbare Zwischenschicht angewandt werden, die ein Durch¬ 
schlagen des Lichtes auf die andere Seite verhindert. Die Farb- 
bäder dürfen in diesem Falle immer nur auf einer Seite zur 
Wirkung gebracht werden.*). Da bei dieser Anofdnung die bei¬ 
den Bilder durch die Filmdicke von einander getrennt sind und 
sich daher nicht gleichzeitig jn der Brennebene des Objektivs 
befinden können, so liegt die Gefahr vor, dass die scharfe Bild¬ 
wiedergabe darunter leidet. Es stände fernerhin frei, für jede Reihe 
einen besonderen Positivfilm vorzusehen (einen davon seitenver¬ 
kehrt gedruckt) nud diese dann Schicht gegen Schicht aufein- 
andergelegt durch den Apparat zu führen. Hier wäre wiederum 
Voraussetzung, dass keine Schwierigkeiten bezüglich des Trans¬ 
portes und der scharfen Bildwiedergabe auftreten. Eine Steige¬ 
rung der Bildwechsel in der Sekunde wird voraussichtlich nur 
dann notwendig sein, wenn die Teilbilder nicht (wie bei Petzold) 
zugleich projiziert werden, sondern zeitlich nacheinander. Die 
Betrachtung der Lichtbilder erfolgt in allen Fällen durch eine 
zweifarbige Brille, die sich um einige Groschen hersteilen lässt. 
Das Problem, mit Hilfe des Anaglyphenverfahrens auch na¬ 
turfarbige Bilder plastisch wiederzugeben, regte O. Wiener 
an, die Herstellung komplementärer weisser Farbfilter zu ver¬ 
suchen. Es gelang Ihm auch, die Möglichkeit nachzuweisen, 
unter Verwendung von Polarisationseinrichtungen die Teilbiider 
in komplementärem Weiss zu projizieren und mit analogen weißen 
Brillen die stereoskopische Wirkung zu erzielen.**) Für die Pra¬ 
xis kommen diese Vorschläge einstweilen nicht in Betracht. Spä¬ 
ter hat H. Lehmann dies Problem in anderer Weise ange¬ 
griffen.***) Er ging auf das alte Almeidasche Verfahren zurück, 
wählte aber die bisher ziemlich willkürlich genommenen Filter¬ 
farben nach dem Gesichtspunkt aus, dass jedes der beiden Augen 
(bei denen normale Farbenempfindung vorausgesetzt wird) Licht 
von gleicher Helligkeit erhält und dass fernerhin prinzipiell kein 
*) Um dieses Verfahren, auf das ich in der vierten Auflage des Hand¬ 
buches bereits aufmerksam machte, sollen sich der I. Intern. Film-Zeitung 
(1916 Nr. 23) zufolge Welm und Kamrowski bemühen. 
**) Otto Wiener: Über die Möglichkeit einer stereoskopischen Projektion 
ohne Ablenkungsprismen mit weissen Teilbildern. Archiv für die ges. Phy¬ 
siologie, Bd. 136, 1910. 
***) Zeitschrift f. wissenschaftl. Photogr. XVII, 1917, S.49; Zeitschr. f. Instru¬ 
mentenkunde XXXIX, 1919, S. 159. Vgl. auch das D. R.-Patent No. 307676 vom 
24 4. 1917 der Ernemann-Werke.
        

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