Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wissenschaftliche Kinematographie. Einschliesslich der Reihenphotographie
Person:
Liesegang, F. Paul Karl Kieser Oswald Polimanti
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39508/136/
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Die Funkenkinematographie. 
Die Funkenkinematographie. , 
(Ultrarapid-Kinematograph, ballistischer Kinematograph). 
Die kinematographische Aufnahme äusserst rascher Vorgän¬ 
ge, z B. des Insektenflugs und namentlich fliegender Geschosse er¬ 
fordert ausserordentlich kurze Belichtungen und eine sehr grosse 
Zahl von Bildern in der Sekunde. Der Pariser Professor Marey, 
der Direktor des nach ihm benannten Physiologischen Instituts, 
hat seinerzeit die kinematographische Aufnahme des Insekten¬ 
fluges mit grossem Eifer betrieben; er musste in der Belichtungs¬ 
zeit 'bis auf 1 /25000 Sekunde heruntergehen und benutzte zur Be¬ 
leuchtung das durch eine Linse konzentrierte Sonnenlicht. Doch 
erzielte er keine befriedigenden Ergebnisse: das gewöhnliche 
Aufnahmeverfahren reichte dazu nicht aus. 
Ein sinnreiches Verfahren, das in einfacher Weise äusserst 
kurze Belichtungen ermöglicht, hatte nun E. Mach 1887 zur 
Photographie fliegender Geschosse erfolgreich eingeführt. Mach 
bediente sich des elektrischen Funkens. Da dessen Dauer über¬ 
aus kurz ist — sie beträgt nur Yio ^is V20 milliontel Sekunde — 
so fällt hierbei ein mechanisch arbeitender Verschluss fort: man 
braucht nur das zu photographierende Objekt für den Moment der 
Aufnahme mit dem Funken zu beleuchten. 
Die Anwendung dieser Methode auf die Kinematographie 
verlangt nun die regelmässige Wiederholung des Funkens in kur¬ 
zen Zeitabständen. Kranzfelder und Sch winning („Die 
Funkenphotographie, insbesondere die JVlehrfachfunkenphotogra- 
phie“, Berlin 1903) haben diese Aufgabe als erste gelöst, aller¬ 
dings nur für eine beschränkte Anzahl von Aufnahmen eines flie¬ 
genden Geschosses. Sie ordneten eine Reihe Leidener Flaschen 
an, die mit der Funkenstrecke und je einer Auslösevorrichtung 
in Verbindung standen. Das Geschoss durchschlägt die letzteren 
eine nach der anderen und bringt dadurch die Flaschen nach¬ 
einander zur Entladung, wobei jedesmal ein Funken überspringt. 
Die Zahl der Aufnahmen ist also durch die Zahl der Leidener 
Flaschen bedingt; diese betrug bei den Versuchen 10. Durch 
Aenderung des Abstandes der Auslösevorrichtungen lässt sich 
die zeitliche Folge der Funken beliebig variieren. Das zu pho¬ 
tographierende Objekt, z. B. ein vom Geschoss zu durchschla¬ 
gender Knochen, wird in dem Lichtkegel angeordnet, den ein 
hinter der Funkenstrecke sitzender Hohlspiegel in das Objektiv 
des Aufnahmeapparates wirft. Die Aufnahmen erfolgen auf 
ein ebenes Filmblatt, das auf einer durch einen Elektro¬ 
motor angetriebenen Stahlscheibe befestigt ist. Bei der 
ausserordentlichen Kürze der Funken-Belichtungen fallen die 
Bilder trotz der raschen Bewegung des. Filmblattes völlig scharf 
aus. Diese Anordnung beschränkt aber die Zahl der Teilbilder, 
da man im Durchmesser der Scheibe nicht beliebig weit gehen
        

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