Bauhaus-Universität Weimar

so ist sie doch mit ihrem Phantasieeinschlag zugleich eine Ge¬ 
fahrenquelle. Auch dies muß man stets vor Augen haben, aber 
es wäre traurig, wenn gerade auf geistigem Gebiet Gefahren 
ein Anlaß zum Rückzug wären. Damit ist eine weitere Grund¬ 
schwierigkeit aller Psychologie, besonders der eines Kunst¬ 
gebietes berührt: die Subjektivität. Sie ist Anlaß, daß man 
schon oft der Psychologie jedes objektive Erkenntnisvermögen 
absprach und ihr nur Ergebnisse individueller Anschauung zuer¬ 
kannte. Ist dies auch sehr übertrieben, so kann es doch in weitem 
Maße von den ästhetischen Teilen der Psychologie stimmen, 
(obzwar es auch für die Ästhetik gewisse objektive Grundlagen 
gibt, die durch ihre Allgemeingültigkeit so bezeichnet werden 
können). Die Musikpsychologie in engerem Sinne hingegen muß 
den subjektiven Charakter möglichst auszuschließen suchen; sie 
vermag es, indem sie eben nur die psychischen Funktionen heraus¬ 
hebt, die objektiv nachweisbar sind und noch nicht den persön¬ 
lichen Schwankungen der ästhetischen Gefühlswelt unterliegen. 
Wo sich Übergänge gegen diese öffnen, bleibt es wieder stets die 
Aufgabe, diese zu beobachten und auch über die Grenzen klar zu 
werden, wo die rein objektive Erkenntnismöglichkeit sich lockert; 
somit kann die Gefahr eines Subjektivismus auf jenes Minimum 
reduziert werden, das bei der Eigenart des Stoffes möglich ist. 
Mit alledem ist es auch gegeben, daß die Untersuchungen von ab¬ 
soluter Musik auszugehen haben, in die von keiner außermusi¬ 
kalischen Ideenumschreibung her eingedrungen werden kann. 
Alles in allem bieten somit Wege und Grenzen der Musikpsycho¬ 
logie mehr Schwierigkeiten als die der sog. exakten Wissenschaften; 
mag das auch ein undankbares Gebiet bedeuten, so sind doch die 
Reize um so größer, und keine Psychologie braucht davor zurück¬ 
zuschrecken, daß sie stark das Schicksal aller Wissenschaft zu 
teilen bestimmt ist: stets mehr Probleme aufzurollen als sie zu 
lösen vermag. 
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