Bauhaus-Universität Weimar

hang, festzuhalten: die Töne werden gleich in der Weise als „Mate¬ 
rial“ verarbeitet, wie sie einmal psychologisch zur Erscheinungs¬ 
form, zur Tonempfindung geworden sind, d. h. bereits in der Um¬ 
gestaltung, welche eben die Tonpsychologie verfolgt. Insofern also 
ist hier schon Voraussetzung, was die Tonpsychologie als Ergebnis 
aufweist, — ohne daß aber die Richtung ihres Vorgehens hier fort¬ 
gesetzt würde. Somit wäre es ganz unangebracht, einer Ver¬ 
drängung der Tonpsychologie das Wort zu reden, so wenig wie es 
denkbar ist, in der Allgemeinpsychologie den Experimentalmetho¬ 
den jemals abzusagen; sie sind eben nur in neuartige Verbindung 
mit den jeweiligen neuen Betrachtungsweisen zu bringen. In der 
Musikpsychologie liegt zwar eine Betrachtungsweise, die der Ton¬ 
psychologie entgegendringt, aber nicht um sie umzustoßen, sondern 
um auch sie von andrer Seite her zu durchdringen, sich mit ihr zu 
ergänzen1). Es besteht sogar kein Zweifel, daß damit erst neue Vor¬ 
stoßmöglichkeiten für die Tonpsychologie gewonnen werden, wo 
sie gegen Mauern und Grenzen stoßen mußte. Unterscheidung be¬ 
deutet also keine Scheidung, diese wäre schon im Hinblick auf die 
gemeinsamen Grenzgebiete eine Gewaltsamkeit, ganz davon zu 
schweigen, daß die Tonpsychologie auch ein selbstberechtigtes 
Gebiet von größter Tragweite ist. Sie bietet der Musikpsychologie 
auf allen deren Einzelwegen mitleitende Hinweise, oft genug auch 
wertvolle Bedenken, muß freilich auch auf ihren eigenen Teil¬ 
wegen durch sie manche Modifikationen erfahren. Die Fehler 
setzen nur bei der falschen Bewertung ein, die man dem Klangreiz 
beimaß, und sie alle lassen sich auf die eine und einfache Formel 
zurückführen, daß nicht der Ton Ursprung der Musik ist. 
Herausgrenzung des Zentralgebiets. 
Die Forschungswege, die der Musikpsychologie durch die Eigenart 
ihres Stoffes vorgezeichnet sind, werden klar, wenn man sich 
zunächst ihr Verhältnis auch zu andern Grenzgebieten vergegen¬ 
wärtigt. Denn wenn es auch nicht das Ziel sein kann, alle Erschei- 
1) Dies spiegelt sich schon im Phänomen der Musikbegabung; denn wenn 
auch Gehörsbegabung nicht unbedingt mit musikalischem Talent verknüpft 
sein muß, so fällt doch andrerseits auf, wie oft hohe Musikbegabung einen 
überfeinerten Hörsinn bekundet, der sich geradezu bis zu akustischem Spür¬ 
sinn steigern kann. 
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