Bauhaus-Universität Weimar

Daß sie aber in viele künstlerische Betrachtungen unausgespro¬ 
chen hineinspielt, ergibt sich aus ihrer grundlegenden Bedeutung 
für die künstlerische Aufnahme überhaupt. Der Begriff von psy¬ 
chischem Strukturzusammenhang des Seelenlebens ist denn auch 
einer der stärksten Künstlernaturen unter den Philosophen, Wil¬ 
helm Dilthey* 1), zu verdanken ; freilich unterliegt seither auch dieser 
Begriff in der Psychologie bereits recht verschiedenen Anwendungs- 
weisen. Als das Gemeinsame springt jedenfalls bei all den Genann¬ 
ten eine Betrachtungsweise heraus, die sich von der „Elementar¬ 
analyse“ darin unterscheidet: diese zerlegte jede psychische Er¬ 
scheinung in ihre Elemente, mehr oder minder auf Kosten ihrer 
Zusammengehörigkeit, der „Synthese“, so daß die ganze Vorstel- 
Bedeutungsverschiebungen erfahren; so weist G. E. Müller („Komplex¬ 
theorie und Gestalttheorie“, Göttingen 1923, S. 2) darauf, daß die Begriffe 
von Struktur und Gestalt eigentlich in den des Komplexes münden, wie 
schon Fel. Krueger („Theorie der Konsonanz“, Viertel]ahrsschr. f. wiss. 
Phil. 1899, S. 249ff.) die Mißverständlichkeit des Begriffes „Gestaltqualität“ 
beleuchtet hatte. Eine strenge Sonderung vom Begriff „Komplexqualität“ 
blieb jedenfalls in der Literatur nicht aufrecht erhalten. Vgl. neben den er¬ 
wähnten Werken insbesondere: K. Bühler, „Die Gestaltwahrnehmungen“ 
(Stuttgart 1913), Fel. Krueger, „Der Strukturbegriff in der Psychologie“ 
(VIII. Kongreß f. exper. Psychologie 1923), Max Wertheimer, „Drei Ab¬ 
handlungen zur Gestalttheorie“ (Erlangen 1925), und „Über Gestalttheorie“ 
(Erlangen 1925), Hans Driesch, „Grundprobleme der Psychologie“ (2. Aufl. 
Leipzig 1929, S. 63L), H. Burckhardt, „Zum Problem der Ganzheit“ 
(Diss. Leipzig 1925). Historische Überblicke außer den angeführten bei 
Krueger und Henning sowie Literaturangaben noch bei St. Witasek, 
„Grundlinien d. Psychologie“ (2. Aufl. Leipzig 1923, S. 224 u. 371) und 
A. Messer, „Psychologie“ (Leipzig 1928, S. 161 und 384L). Kritik der 
Gestalttheorie insbesondere auch bei Herrn. Friedmann, „Die Welt der 
Formen“ (2. Aufl. München 1910, S. 405f.). 
l) In seinen Lebensbeschreibungen schuf er jene Künstlerdarstellung, nach 
der sich aus der dispositioneilen Ges amt Struktur größere Teilstrukturen 
herausfasern und in einzelnen Handlungen und Eigenschaften kundgeben, 
— eine intuitive Psychologie, die, vorgebaut durch das romantische Uni¬ 
versalerlebnis, auch stets den Zusammenhang des Biographischen mit 
der überpersönlich-historischen Strukturdisposition auf weist. Von den 
theoretischen Werken vgl. insbesondere: aus Diltheys Gesammelten 
Schriften (Teubner, Leipzig), Bd. I, „Einleitung in die Geisteswissen¬ 
schaften“, Bd. Y, Abhdlgn. zur Grundlegung der Geisteswissenschaften 
(vor allem: „Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psycho¬ 
logie“), Bd. VII, „Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geistes¬ 
wissenschaften“. 
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