Bauhaus-Universität Weimar

eine vereinheitlichende „Rückschließung“ zum Anfang, aber dies 
zweite A ist ihm gegenüber aus der Schwebe gehoben, „überhöht“, 
intensiver ausgestaltet, — damit auch meist verlängert, so daß auch 
die Symmetrie der Ausmaße gestört erscheint. Oder man betrachte 
ein Schema wie A—B—A —B—A (Rondo) oder A—B—C—B—A 
(von Lorenz als rückläufige, auch „vollkommene“ Bogenform ge¬ 
kennzeichnet): beides kann trotz äußerlich eindeutiger, symme¬ 
trisch anmutender Stabilisierung eine große Vielfalt innerer Steige¬ 
rungsanlagen darstellen (wozu überdies kommt, daß die wirkliche 
Steigerungsanlage den Themenwechsel überhaupt überkreuzen 
kann). 
Darum hat auch die Formenlehre mit Recht von jeher größtes 
Gewicht auf die tonartliehe Entwicklung gelegt, die mit ihren 
harmonischen Spannungsbeziehungen die innere Verlaufsanlage 
viel unmittelbarer enthüllt. Das war auch historisch längst in 
strenger Konsequenz durchgebildet, noch ehe das thematische 
Gruppenprinzip zur Herrschaft kam. Darin liegt sogar ein Haupt¬ 
grund für die zähe Sparsamkeit der Tonartswendungen bis zur 
Klassik, indem erst mit dem Themenwechsel ein anderes Mittel 
der Formverdeutlichung stärkere Tonartsausweitungen ermög¬ 
lichte und zusammenhielt. 
Gruppierung mit Themenwechsel wirkt, wie aus den angeführten 
schematischen Anordnungsbildern hervorgeht, auf äußere Anlage- 
Symmetrien hin, also auf ein statisches, der Steigerungsverlauf 
hingegen auf ein dynamisches Formprinzip (das auch die Schwer¬ 
punkte zu dynamischen Zielpunkten umwertet und über die Mitte, 
oft stark gegen das Ende hinausrückt, also symmetriestörend wirkt) ; 
keines dieser Prinzipe besteht in reiner Form, sondern beide durch¬ 
kreuzen einander und bilden eine Menge von Ausgleichsformen. 
Auch das ist eine Erscheinung jenes doppel- und mehrspurigen Hö¬ 
rens, das in andern Phänomenen schon bei der einstimmigen Kur¬ 
venbildung, sogar schon bei der Skala vorliegt. Zugleich beleuchtet 
dies von neuer Seite die Vieldeutigkeit, die innere „Beweglichkeit“ 
vom Begriff des Gleichgewichts, der Formstabilisierung, der schon 
aus dem früher angeführten Doppelgrund theoretisch nie ganz scharf 
bestimmbar ist: einmal wegen der Unmeßbarkeit, und zweitens 
weil er stets aus dem Zusammenwirken vieler Erscheinungen be¬ 
dingt ist, die nicht alle parallel laufen, sondern wechselnd als 
leitende Hauptmomente für den Formverlauf hervortreten können; 
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