Bauhaus-Universität Weimar

Schwere und Bewegungsenergie können sich summieren oder mit¬ 
einander in Konflikt treten. 
Der Ton ist damit einer ungemein starken Intensivierung, aber 
auch der vielfachen Reize einer schwebenden Unbestimmtheit 
fähig1). Man kann auch hier in gewissem Sinne eine Elastizität 
des Tonreizes erkennen, nämlich eine innere im Gegensatz zu der 
vorhin erwähnten äußeren Elastizität, indem ein- und derselbe 
Gehörsreiz auch ohne äußere Steigerung sehr hoch gesteigerte 
dynamische Inhalte aufzuspeichern vermag; (gerade damit schwillt 
auch, wie schon angedeutet und sich noch später zeigen wird, 
seine Farbenfülle). Psychologisch aber das Wundersamste an alle¬ 
dem ist vielleicht, daß der selbe Ton gleichzeitig Ruhe und Span¬ 
nungszustand darstellt; aber gerade das kann noch in anderer 
Form geschehen als durch solche Spaltung in verschiedene Energie¬ 
zustände: auch innerhalb einer melodischen Entwicklung kann 
ein Ton Ausklangsruhe und neu ansetzende Triebkraft darstellen, 
wobei nicht Spaltung vorliegt, sondern die Energiezustände in 
einer innern Umsetzung einander durchdringen. 
Alles das, in seinen Prinzipien später zu untersuchen, weist 
wieder darauf, welche Fülle sich in den Ton verdichtet, ihn oft 
fast zu sprengen scheint, — alles Trugvorstellungen, sobald man 
sich des Tonphänomens bloß von seiner äußeren Erscheinungs¬ 
sphäre aus besinnt; denn dort fragt es sich stets, was man aus dem 
Ton heraushört, hier aber, was man in ihn hineinhört. Auch schon 
eine Tonbewegung gibt es im Grunde nicht, da ein Ton etwas 
(nach Schwingungszahlen) festgelegtes ist — etwas ganz anderes 
bewegt sich ! Aber indem wir den Ton als Träger von Spannungen 
empfinden, bilden sich bereits uneingestandenerweise auch Materie¬ 
eindrücke wieder in ihn hinein; wir verarbeiten ihn so, als ob 
er Materie wäre, mag sich auch der Verstand gegen diese Vorstel¬ 
lung immerzu sträuben. 
x) Wie überhaupt das alles den Ton bereits im musikalischen Kräftespie- 
zeigt, so regt auch umgekehrt sein bloßes Erklingen (oder auch nur Vorl 
stellen) bereits zum Ansatz unendlicher Bewegungsmöglichkeiten an. Vgl. 
Ernst Barthel, ,,Die Welt als Spannung und Rhythmus“ (Leipzig 1928), 
S. 180: „In jeder Höhe und Tiefe, in jeder Klangfarbe bedeutet er [der Ton] 
ein unmittelbar verstandenes qualitatives Zeichen, das nicht nur unsere 
Aufmerksamkeit, sondern auch unsere Einfühlungsgabe augenblicklich 
mit Macht in Bewegung setzt.“ 
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