Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie des Hundes. 
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Besprochen werden die Wirkung des Eintritts der Geschlechtsreife 
auf den Charakter, über das Wiedererkennen nach zwei-, dann drei¬ 
einhalbjähriger Abwesenheit, das nur auf die menschliche Stimme hin 
erfolgte, auf hervorbrechende Infantilismen erwachsener Wölfe (und 
anderer Tierarten) in starkem Affekte, endlich über die soziale Grund¬ 
lage des Wolfes zum Haushund. 
Der Hauptteil des Vortrages galt der Psychologie des Sanitäts¬ 
hundes an der Hand zahlreiche Lichtbilder, nach Photographien, die 
der Vortragende als Leiter der ihm vom Preußischen Kriegsministerium 
übertragenen Versuchsabteilung während des Krieges aufgenommen 
hatte. Vorausgeschickt wird eine kurze Besprechung der verwendeten 
Diensthundrassen, für die eine spezifische Eignung übrigens nicht be¬ 
steht, die Ausbildung und die Verwendung der Tiere in der Verwundeten¬ 
suche, zumal die Weckung des Interesses am Verwundeten einer 
liegenden „Beute“, die Berücksichtigung der im Ernstfälle zahlreichen 
Ablenkungen durch die Abrichtung, die Verteilung der Bollen zwischen 
Eührer und Tier, und die zahlreichen vorher nicht erkannten Fehler¬ 
quellen. Die im Felde erreichten Erfolge werden erwähnt. Gegeißelt 
wird das katastrophale Versagen des berühmten Mannheimer Hundes 
Bolf und der zahlreichen „denkenden“, inzwischen aufgetauchten 
Hunde, deren Ausbildung als Diensthunde auf Grund ihres angeb¬ 
lichen Sprachverständnisses ebensoviel Minuten erfordern müßte, als 
es bei ihren weniger bevorzugten Artgenossen jetzt Monate dauert. 
Die Befruchtung der Abrichtung durch die Psychologie wird im 
einzelnen an dem Beispiel der sog. Verweisungsarten gezeigt, d. h. 
der Verfahren, durch die der Sanitätshund seinem Führer die Auf¬ 
findung eines Verwundeten anzeigt. Die entscheidende Beaktion des 
Hundes erfolgt entweder akustisch (Verbellen, gemildert als kurzes 
„Anschlägen“), teils lautlos und zwar entweder beim Führer, auf dem 
Wege von ihm zum Verwundeten, oder beim Verwundeten selbst. 
Es werden die Vorzüge der einzelnen Arten besprochen, ebenso ihre 
zahlreichen Mängel, wobei Gefährdung des Verwundeten (abreißen 
von Verbänden) oder der Truppe, Unzuverlässigkeit, Abhängigkeit 
vom Führer und von dessen Erwartungsspannung und Ausdrucks¬ 
bewegungen, sowie die Abhängigkeit von Gelände und Witterung be¬ 
sonders Hervorhebung verdienen. 
Die Feststellung der Mangelhaftigkeit sämtlicher bestehender 
Verfahren veranlaßte den Vortragenden zur Ausbildung des „Bringsel“- 
Verfahrens nach streng psychologischen Gesichtspunkten, wonach der 
Hund am Halsband eine kleine Ledervorrichtung trägt, die er beim 
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