Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einige Gesichtspunkte zur Psychologie der Reaktionsvorgänge
Person:
Grünbaum, A. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39473/2/
Einige Gesichtspunkte zur Psychologie der Reaktionsvorgänge. 121 
Auffassung dieses Reizes anweist und mit ihm nur durch die In¬ 
struktion, nicht sinnvoll verbunden ist (konventionelle Bewegung). 
In Abweichung davon haben wir eine Anzahl der Untersuchungen 
angeregt, bei welchen einerseits als Reaktionsbewegungen echte Hand¬ 
lungen auftreten, die auf Festhalten, Abwehr oder Modifikation des 
Reizes gerichtet sind (natürliche Bewegungen). Andererseits wurde 
nach Reizungen gesucht, die für die Yp. von selbst schon bedeutsam 
sind und darum die Reaktionsbewegung aus biologischen Gründen 
spontan hervorrufen (z. B. ein unerwarteter Induktionsschlag auf den 
Arm, infolgedessen der letztere von der Elektrode zurückgezogen wird). 
Einige verhältnismäßig einfache Konstruktionen erlaubten dabei 
neben den Reaktionszeiten auch den Verlauf der Bewegung (Größe, 
Geschwindigkeit, Form, Arbeitsenergie) graphisch zu registrieren. 
In den ersten unserer Untersuchungen haben wir die natürlichen 
Bewegungen noch nicht als Handlungen, sondern als Anweisebewegungen 
im bisherigen Sinne verwandt. Aber schon der Vergleich der Re¬ 
aktionen mit konventionellen und mit natürlichen Bewegungen ergibt 
auch bei biologisch indifferenten Reizen den Vorrang der letzteren 
Reaktionsreihe : sie sind mit relativ kürzeren, stabileren Reaktionszeiten 
und minder gezwungener Einstellung der Aufmerksamkeit verbunden 
(Qu er id o). 
Beim Vergleich der konventionellen Bewegung der Anweisung 
mit dem Zeigefinger und der natürlichen Abwehrbewegung ergab sich 
an vielen Befunden, daß die biologisch wichtigere und minder diffe¬ 
renzierte, auch mehr energische Bewegung der Abwehr sich vornehm¬ 
lich sensorisch einstellt; so daß die Aufmerksamkeit sich zweckmäßiger¬ 
weise ganz dem Reiz zuwenden kann — auch wenn der Reiz indiffe¬ 
rent ist und für die Vp. keinen tatsächlichen Anlaß zur Abwehr 
bietet. Dagegen finden die differenzierten, subtilen, biologisch sekun¬ 
dären Bewegungen des Fingers ihre natürliche Funktion bei motorischer 
Einstellung (R o 1 d e r). 
Der Vergleich der Flucht- und Abwehrbewegung (Flexion und 
Extension) des Armes hat für die Flucht kleinere Reaktionszeiten 
und energischere Bewegungen ergeben. Dieselbe Fluchtbewegung, 
wenn sie mit dem Reiz im wirklichen, sinnvollen Verband steht (die 
Befreiung von dem unangenehmen Reiz), wird mit kürzeren Reaktions¬ 
zeiten und schneller ausgeführt, als bei dem Reiz, der die Bewegung 
nur auf Grund der Instruktion — sobald als möglich und so schnell 
als möglich zu reagieren — provoziert (van de Belt). 
Der natürliche Zusammenhang von Geschwindigkeit mit der Kürze
        

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